Fortsetzung Törnberichte zurück
Erst um 10.10 Uhr verlassen wir Łeba, wieder nur eine kurze Strecke von 32 sm bis zum nächsten Hafen. Wieder entlang der 10 m Tiefenlinie, weiter nach Osten. Da die vorhandenen 2 bis 3 Bft. aus Nord nur wenig Wind bedeuten, wird tatsächlich neben der Genua mal wieder das Großsegel gesetzt und auch erst um 17.30 Uhr vor dem Hafen geborgen. Wladyslawowo, der Name des Hafens und das richtige aussprechen desselben ist hier das einzige, was es zu berichten gibt. Ach ja, diesmal keine Flussmündung, sondern ein richtiger Hafen und keine Piratenschiffe. Alles scheint gut und eine ruhige Nacht ist zu erwarten. Leider hatte ich mich zu früh gefreut! Der Hafen und somit auch unser Liegeplatz ist nicht weit vom Strand entfernt. Was wir bis dahin nicht wussten, dass es an diesem Strand eine Strandbar gab, die sich mit Einbruch der Dunkelheit als Disco entpuppte. Wenn ich nun von durchringenden Bässen bis in die Morgenstunden berichte, meine ich nicht bis um 01.00 oder 02.00 Uhr, sondern bis um 05.00 Uhr am Montagmorgen! Bis dahin erschien es mir, dass die Druckwellen der Subwoofer durch unsere Bordwand noch verstärkt wurden und uns somit um den Schlaf brachten. Sollte ich nochmals nach Polen kommen, muss ich vorher unbedingt Ohropax besorgen!  Am späteren Vormittag wurde dann klar, dass die Jovel nicht über die Halbinsel Hel nach Danzig, sondern von hier aus mit direktem Kurs nach Klaipeda  in Litauen fahren wollte. OK, Danzig kann man auch ein anderes Mal besuchen und sich dort sicherlich auch längere Zeit aufhalten. Für die ca. 110 sm (etwas über 200 km) bis Klaipeda muss man auf jeden Fall eine Nachtfahrt einkalkulieren. Warum die Jovel nun aber unbedingt zur Mittagszeit ablegen wollte, konnte ich nicht nachvollziehen. Bei geschätzten 17 bis 18 Stunden Fahrzeit würden das bedeuten, dass wir gg. 05.00 Uhr ankommen.  Warum muss ich um 05.00 Uhr oder um 06.00 Uhr dort ankommen? Nein, ich habe das nicht verstanden. Zumal die Ausgangssituation an diesem Tag mit dem wenigen Wind auch ziemlich ungeeignet war. Trotzdem wurde dem Wunsch der Jovel nachgegeben. Allerdings nicht ohne den Hinweis, dass eine solche Entscheidung von mir niemals kommen würde. Nur auf Grund des gemeinsam geplanten Törns und der Beibehaltung der Absprachen zu dessen Durchführung wurde zugestimmt. So starteten wir die Maschine um 11.30 Uhr und verließen Wladyslawowo. Um 05.00 Uhr am nächsten Morgen stehen wir vor Klaipeda und sind um 06.00 Uhr im Old Castle Port fest. Erst jetzt wird die Maschine abgestellt. Nach 18,5 Stunden. Das passiert mir nicht noch einmal! Wären wir meiner Intuition gefolgt, hätten wir unseren Start in die späten Nachmittagstunden gelegt oder wären erst am Abend ausgelaufen. Wir hätten bis dahin auch feststellen können, dass der Wind an diesem Tag nicht besser wurde und alles andere als günstig war. Zumal der Wind in der Regel nachts noch ein wenig nachlässt. Ein Start an diesem Tag wäre sehr unwahrscheinlich gewesen. Erinnerungen an die Strecke von Warnemünde nach Glowe werden wach. Franz musste unbedingt auslaufen. Während wir einen Tag später die gesamte Strecke segeln konnten, erhöhte sich der Stand des Motor-Betriebsstundenzählers auf der Jovel um 11 Stunden!
12.