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8. Ohne besondere Vorkommnisse erreichen wir den Hafen von Ustka als Zwischenstation, indem wir längs der polnischen Küste auf der 10 m Linie weiter nach Osten segeln. Wieder nur mit der Genua, ohne Großsegel. Beide Yachten ständig in Sichtweite. Bei Regen am Nachmittag kein besonders schöner Segeltag. Gut dass wir einen zuverlässigen Autopiloten an Bord haben. Denn dem scheint es absolut nichts auszumachen das Schiff auch bei Regen auf Kurs zu halten, während die Crew unter der Sprayhood verschwindet und im Trocknen sitzt. Gut auch, dass die an der Küste gelegenen Sperrgebiete in den Sommermonaten durchfahren werden dürfen. Ein extra Hinweis darauf befindet sich in den aktuellen Sportbootkarten vom NV-Verlag. Ob Franz wirklich bei den zuständigen Behörden telefonisch nachgefragt hatte, ob die Durchfahrt möglich ist? Nun ja, Ustka muss man nicht besonders erwähnen. Liegt halt auf der Strecke und verkürzt den Weg bis Łeba. Nach dem Einlaufen gibt es dort rechter Hand einen kleinen Hafen für Sportboote, der aber an diesem 19. Juli sehr gut besucht ist. Wir versuchen es erst gar nicht und machen ca. 100 m weiter an einem Abstandhalter für die Großschifffahrt fest. Da sind wir auch nicht die Einzigen. Auch andere Yachten hatten dort schon festgemacht. So nehmen wir auch gern die Hilfe einer anderen deutschen Yacht an, die unsere Vor- und Achterleinen an den riesigen Pollern festmacht. Allein wäre es nicht ganz einfach gewesen. Man hätte erst einmal über diesen Abstandhalter hinweg klettern müssen um an die Pier zu kommen. Ob das bei diesem jetzt ablandigen Wind so ohne weiteres möglich gewesen wäre? Auf jeden Fall sind wirklich lange Festmacher gefragt, da die Poller weit auseinander stehen. Als wir fest sind kommt auch die Jovel und natürlich nehmen wir ihre Festmacher entgegen. Oft genug war es umgekehrt. Hier in Ustka gibt es für uns keinen Strom und auch keinen Wasseranschluss. Aber das macht nichts. Es kommt auch niemand, der von uns eine Hafengebühr kassieren will. Dafür gibt es ein Piratenschiff auf der anderen Seite des Hafens, welches es mir besonders angetan hat. Ob diese "Dragon" mal für eine Filmproduktion gebraucht wurde? Auf jeden Fall war sie bis in die Details viel aufwändiger gebaut als alle andere, die wir bisher gesehen hatten. Nach dem Abendessen beeilen wir uns um den weiten Weg bis zu einer landeinwärts gelegenen Brücke zu schaffen. Auch hier in Ustka ist der Hafen eine Flussmündung, der Słupia! Nur über diese  kommt man auf die andere Hafenseite. Zu der Seite, an der dieses außergewöhliche Piratenschiff festgemacht hat. Es wird schon dunkel als wir endlich da sind. Der Weg war doch weiter als gedacht. Nun stellt sich heraus, dass es sich bei der Dragon um ein Discoschiff handelt. Wer an Bord wollte musste Eintritt bezahlen. Ich wollte gern an Bord aber nicht um die Disco zu besuchen. Nach einem kurzem Dialog mit dem Türsteher, der hier natürlich keine Eingangstür sondern die Gangway kontrollierte, durften wir an Bord mit der Zusicherung, dass wir 5 Minuten später wieder  an Land waren. Wenn ich zu dem Zeitpunkt gewusst hätte, dass die riesigen Bassboxen an Deck uns trotz mehreren hundert Meter Entfernung den Schlaf in der Nacht rauben könnte, ich weiß nicht, was ich noch angestellt hätte.
Die Dragon in Ustka - eine schwimmende Disco Piratenschiff in Ustka Dragon