Fortsetzung Törnberichte
4. Der Hafenmeister von Glowe suchte mir im Telefonbuch einen Yachtservice in der näheren Umgebung heraus. Aber schnell wurde klar, dass mir dieser Betrieb aus dem Nachbarort bei meinem Hydraulikproblem nicht helfen konnte und verwies an einen Spezialist in Stralsund. Nun war aber Stralsund ein ganzes Stück weg und auch nicht mehr auf Rügen. Auch lag es nicht im Entferntesten auf unserer Strecke um mal eben hin zu fahren.  OK, dann eben in Rønne auf Bornholm, das liegt wenigstens auf der Strecke. Dort gibt es bestimmt Hilfe. Am nächsten Morgen werden um 10.00 Uhr die Segel gesetzt und zusammen mit der Jovel die 55 sm zu Bornholms größter Stadt in Angriff genommen. In der hintersten Ecke des Südhafens von Rönne sind Heckbojen ausgelegt. Dort finden wir genügend freie Plätze und das wichtigste, ganz in der Nähe gibt es einen gut sortierten Schiffsausrüster mit zugehöriger Werkstatt.                                                              Als ich das Geschäft am nächsten Morgen (Samstag 14.Juli) aufsuche, weiß ich noch nicht so recht, was                                                              ich eigentlich suche.  Die Originalanschlüsse vom  holländischen Hersteller werde ich wohl kaum                                                              bekommen. Auch ein neuer Tank mit intakten Anschlüssen ist wohl nicht zu erwarten.                                                              Ich schaue mich im Ladengeschäft überall um und muss feststellen, dass es wirklich gut sortiert ist. Fast                                                              alles aus der Yachtbranche ist hier zu haben.  Aber leider keinen Hinweis auf das, was ich für eine                                                              Reparatur benutzen könnte. Ich wende mich an den Verkäufer, der allerdings auch nur außerhalb der                                                              normalen Geschäftszeiten hier den Verkauf als Aushilfe ausübt und erkläre ihm mein Problem. Er geht mit mir in die angeschlossene Werkstatt, deren große Halle man von außen überhaupt nicht vermutete (ich hatte noch nie zuvor eine so große, lange Drehbank gesehen), steigt die Metalltreppe zum Lager empor und zeigt mir alle möglichen Schläuche und die vor- handenen Anschlüsse.  Wahnsinn, hier gibt es eigentlich nichts was es nicht gibt. Endlich weiß ich wie ich es mache. In einem Regal finde ich einen 90 Grad-Bogen aus Metall mit etwa 6 mm Durchmesser. Dazu passende Klarsichtschläuche und jede Menge Schlauchschellen in allen Größen. Dieser Bogen ist sicherlich für die Hydraulik von Fischkuttern oder als Öldruckleitung für Motoren gedacht. Mir ist das egal, hauptsache er hilft mir weiter! Nicht ganz billig die Teile hier auf Bornholm! Erst recht nicht das Hydrauliköl von Volvo-Penta! Ich entscheide mich für einen Liter No-Name aus Italien, das müsste ausreichen. In D hätte ich für den Preis 10 ltr bekommen. Da ich aber nicht in D bin und die Teile und das Öl dringend benötigt werden, wird bezahlt was es kostet. Hauptsache ich kann die Reparatur durchführen und das Großsegel wieder richtig trimmen. An Bord wird der umgeknickte Anschluss abgeschnitten und der Metallbogen in die nun vorhandene Öffnung gesteckt. Passt! Der Bogen ist ideal geeignet, da der Zulaufschlauch ohnehin direkt unter dem Ausgleichbehälter einen engen Radius zur Bedieneinheit nehmen musste. Zur Sicherheit wird der Anschluss mit Azeton gereinigt (entfettet) und mit Uhu Endfest (was man nicht alles an Bord mitführt), als Zwei- komponentenkleber auf Epoxidharzbasis ein wahrer Alleskönner, eingeklebt.   Gut, dass an diesem Samstag Shitwetter ist und wir einen Hafentag einlegen. So hat der Epoxidkleber genügend Zeit zum Austrocknen. Am nächsten Tag konnte an den neuen Anschluss der erworbene Klarsichtschlauch aufgesteckt und mit einer Schlauchschelle gesichert werden. Alles paletti, Reparatur geglückt und tatsächlich dauerhaft dicht! Was will man mehr? Der Seewetterbericht an diesem Sonntag sieht nicht so rosig aus, da Starkwindwarnung! Wir entscheiden uns für einen weiteren Hafentag. Sicherheit geht vor!
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