Fortsetzung Törnberichte
2. Am nächsten Morgen wollen wir gemeinsam mit der Jovel weiter nach Osten in Richtung Rügen. Allerdings ist wenig Wind und ich befürchte, dass wieder eine weite Strecke motort werden muss. Das ist eigentlich nicht das, wofür ein Segelboot gebaut wurde und entspricht auch nicht meinen Vorstellungen vom Segeln. Ich zögere den Zeitpunkt des Auslaufens hinaus in der Hoffnung, dass sich die Windsituation zum Besseren ändern wird. Franz, der Skipper der Jovel, entscheidet sich für Auslaufen. Wir bleiben noch! Franz hat die Hoffnung, dass es weiter draußen besser wird und er doch noch segeln kann. Die Tauranga ist die schnellere der beiden Yachten. Sollte wirklich Wind aufkommen, können wir trotz der  70 sm nach Glowe die Strecke noch schaffen und die Jovel eventuell auch einholen. Aber nur wenn Wind kommt.  Nach ca. einer Stunde, ich bin mit der elektrischen Anbindung des Schleppgenerators an die Bordbatterien beschäftigt, meldet sich Franz über UKW und gibt an, dass sie noch motoren würden, er aber davon ausgehe, dass sie ab Darßer Ort die Segel setzen können. Da wir zu beginn dieses Törns absolut keinen Zeitdruck haben, bleibt mir nur der Jovel noch eine gute Fahrt zu wünschen und darauf hinzuweisen, dass wir an diesem Tag nicht mehr auslaufen werden. Somit habe ich Zeit, die Elektrik mit dem Einziehen der 4 mm² Kabel vom Gleichrichter in der achterlichen Backskiste bis zur Navigations- ecke zu verlegen und die Installation abzuschließen. Wir haben am Nachmittag noch genügend Zeit um mit einer zum Yachthafen bzw. zur Hotelanlage Hohe Düne gehörenden Barkasse  unter Vorzeigen der Chips (Transponder zum Öffnen der Sanitäranlagen) die man beim Hafenmeister gg. Hinterlegung einer Kaution ausgehändigt bekommt, kostenlos über die Warne zum eigentlichen Ortskern Warnemünde überzusetzen. Ich zeige Anita den Schuppen des Warnemünder Segelclubs, in dem alljährlich im Mai das Bergfest der 350 bis 400 Segler der Hessenregatta mit Livemusik stattfindet. Natürlich besuchen wir auch die Strandpromenade und nutzen die „Flaniermeile“ am Alten Strom zum Shopping. Natürlich gehört auch ein Fischbrötchen von einem der ehemaligen Fischkutter dazu, wie auch ein Besuch der Pier 7 , an der seit Jahren die Sandburgen internationaler Künstler besichtigt werden können.
Am nächsten Tag haben wir wieder Wind. Wir legen ab und setzen vor dem Hafen nicht nur die Genua, sondern auch das Großsegel. Die vor uns liegende Strecke rechfertigt die volle Segelfläche allemal. Schließlich weiß man ja trotz positiven Wetterbericht nicht wirklich, ob es auch so bleiben wird. Aus diesem Grund wollen wir unter Vollzeug soviel Strecke wie möglich machen. Wer konnte schon wissen, ob der Wind so bleibt und durchhält?  Es blieb so! Wir können die gesamte Strecke bis vor den Hafen von Glowe segeln. Auch wenn nach dem Runden des Cap Arcona der Wind stetig zunimmt und wir tatsächlich durch Reffen die Segelfläche ständig verkleinern müssen. Hier traf mal wieder die vor vielen Jahren erlernte Theorie zu, dass die Windstärke auf der Leeseite einer Insel  oder auch des Festlandes deutlich höher sein kann als auf der Luvseite.
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