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Probleme im Nord-Ostsee-Kanal
Von Helgoland kommend, verlassen wir am 08.09.2013 um 09.45 Uhr den kleinen Hafen Brunsbüttel, der direkt  hinter der   gleichnamigen Schleuse  linker Hand des Nord-Ostsee-Kanals liegt. Kein besonders schöner Hafen, aber für eine Nacht völlig ausreichend. Man will ja hier nicht längere Zeit liegen, sondern am nächsten Tag weiter durch den 98,7 km (53,3 sm) langen Kanal, der im Funk als Kiel-Kanal bezeichnet wird. Außerdem sind die Liegegebühren mit 10,- €/Nacht recht preiswert. Mit Strom und einem Wasseranschluss ist dieser Hafen weitaus besser ausgestattet als der kleine Hafen am anderen Ende des Kanals in Kiel-Holtenau, in dem beides nicht anzutreffen ist. Gegen 14.30 Uhr haben wir einen Großteil der Strecke hinter uns gebracht. Da es hier im Kanal keine Strömung und keine Welle gibt und der Wind auch nur ganz leicht zu spüren ist,  reichte der Abstand der entgegenkommenden  Großschifffahrt sogar, um bei diesen genialen Voraussetzungen den Autopiloten neu zu justieren. Dazu muss man langsam mehrere Kreise fahren, damit sich der Fluxgate-Kompass des Autopiloten neu einpendelt und die Deviation (Ablenkung der Kompassrose durch das Boot selbst) ermittelt und registrieren kann. Per Tastendruck wird dann das Ergebnis abge- speichert. Diese Maßnahme war außerhalb der Gezeitenströme in der Nordsee erforderlich, denn mit der Genauigkeit unseres AP waren wir in diesem Jahr nicht zufrieden. Immer und immer wieder lief das Schiff unter Autopilot aus dem Ruder; konnte einfach nicht den eingestellten Kurs halten. Bei der Weiterfahrt unter normaler Reise-Geschwindigkeit und unter AP glaubte ich unterschiedliche Motorgeräusche wahrzu- nehmen.  Ich drehte den Kopf (wohl eher die Ohren) aus dem Fahrtwind und lauschte dem Motor bzw. dem Auspuffgeräusch. Aber da war nichts! Dann wieder;  als wenn der Motor nicht mehr gleichmäßig rundläuft. Wieder werden die Ohren nach achtern gerichtet. Wieder nichts! Aber dann! Die Drehzahl ging von den eingestellten 1800 min -1  auf Leerlaufdrehzahl zurück! Das war deutlich und nicht mehr mit einem Hörfehler zu erklären. Nach weiteren 10 bis 20 sek. stirbt der Motor ab, - ist aus. Eine fatale Situation im NOK, in dem das Segeln verboten ist. Es hilft alles nichts, die Genua wird ausgerollt. Durch den leichten Wind können wir die Tauranga weiterhin am Rand des Kanals in Richtung Kiel halten. Während Anita den jetzt doch wieder zuverlässig arbeitenden AP und den Kurs der Tauranga im Auge behält, räume ich die Stb-Achterkabine aus. Alles muss raus. Der dort gelagerte Segelsack mit der Fock, die beiden Solarmodule, das Schlauchboot mit den Paddeln und vieles mehr, alles muss vorübergehend im Salon gelagert werden. Als die Kabine weitgehend leer ist, werden die beiden Matratzen nach hinten gerollt  und der Boden der Kojen angehoben und mit der eingebauten Klappvorrichtung arretiert.   Um die Klappe noch ein wenig weiter offen zu halten, hatte sich schon bei früheren Aktionen der Bootshaken bewährt, der nun mal wieder zum Einsatz kam und die an Scharnieren befestigte Klappe soweit wie möglich offen hält. Endlich kann ich in den nun offenen Stauraum einsteigen, in dem der  Dieselvorfilter unseres Einbaumotors montiert  ist. Nach diversen Problemen im Vorjahr mit verstopften Filtern (hauptsächlich des Vorfilters), wurde nach der Beschaffung einer externen Dieselpumpe der Kraftstoff mehrfach von einem Tank in den anderen gepumpt. Ein dazwischen befindliches weiteres Filter aus dem Bereich von häuslichen Ölheizungen filterte dabei die Verunreinigungen im Kraftstoff  (Algen) heraus.                                                                             Unmengen an schwarzem Schmodder kamen zum Vorschein, obwohl der Blick in den geöffneten                                                                             Dieseltank nichts von alle dem offenbarte. Es sah eigentlich alles aus wie neu! Aber der Schein                                                                             trog! Durch die politisch verordnete Beimischung von Bioanteilen im Dieselkraftstoff holt man                                                                             sich diese Pest bei jedem Tankvorgang an Bord. In Verbindung mit geringen Wasseranteilen                                                                             (Kondenswasser) gedeihen diese  Algen, die in der Folge die Filter zusetzen. Da wir in 2013 trotz                                                                             vielen Motorstunden noch keinen einzigen Ausfall hatten, war es nun offenbar doch soweit.                                                                              Also - meine Vermutung; - zugesetzter Filter! Aufgrund  der Erfahrungen von 2012 war natürlich ein größerer Vorrat solcher Filter an Bord. Das Auswechseln war nur noch Routine und konnte innerhalb weniger Minuten erledigt werden. Zum Schluss wurde die gesamte  Anlage am Motor noch entlüftet und der Motor gestartet. Da er sofort ansprang, war die Vermutung auf ein verstopftes Filter wohl richtig. Alles wurde wieder in die Achterkabine eingeräumt und der Schweiß von der Stirn gewischt! Nach ca. 15 min wieder  unregelmäßige Geräusche auf der Auspuffseite. Wir waren mittlerweile bei  Rendsburg. Wieder glaubte ich, dass die Drehzahl des Motors nicht stabil ist. Und wieder geht die Drehzahl herunter und der Motor ist aus. Och-nee, nicht schon wieder! Wie kann der Filter in so kurzer Zeit wieder verstopfen?   Leider haben wir jetzt äußerst schlechte Windbedingungen, - können unter Segel noch nicht einmal eine auf der Steuerbordseite befindliche Pier erreichen. Auch der in Sichtweite befindliche Yachthafen von Rendsburg ist für uns unerreichbar. Man müsste im Kanal kreuzen, was einfach nicht möglich ist. So bleibt uns nichts anderes übrig, als nach links auszuweichen in den Abzweig nach Büdelsdorf. In der dortigen Einfahrt gibt es eine größere Wasserfläche, die sich außerhalb des Kanalfahrwassers befindet. Also fahren wir da hinüber um dort im flacheren Wasser zu ankern. Alles wird dafür vorbereitet und der Anker mit seinem modernen Mechanismus aus dem Ankerkasten  vor den Bug  geschwenkt und arretiert.   Leider haben wir nun das nächste Problem! Die elektrische Ankerwinsch reagiert nicht auf die Fernbedienung. Der Anker bzw. dessen Kette lässt sich also weder in der einen noch in die andere Richtung bewegen. Der Aufschießer in den Wind bringt uns nun nichts, es kann kein Ankermanöver gefahren werden! Bevor ich nun wieder die Achterkabine ausräume und mich mit dem Vorfilter zu beschäftigen, gibt es einige Instruktionen für die Bordfrau, wie sie nun auf sich allein gestellt auf dieser Freifläche Kreise segelt, ohne auf der einen Seite der Berufsschifffahrt zu nahe zu kommen und auf der anderen Seite nicht auf die Untiefe fährt. Also allein Wenden, Halsen, Segel bedienen und die dazu erforderlichen Segelmanöver fahren . Nicht so ganz einfach für jemanden, der zweifellos  Ruder gehen kann und auf „Ree“  beim Wenden auch die Segel auf die andere Seite bringt. Aber alles allein? So war ich noch mit dem Ausräumen der Achterkabine beschäftigt, als mich der erste Hilferuf aus dem Cockpit erreichte. Hals über Kopf stürme ich den Niedergang hoch und bringe das Boot wieder auf Kurs. Mit weiteren Instruktionen eile ich wieder nach unten und räume weiter die Achterkabine aus. Nun ja, ich musste noch etliche Male raus und eingreifen. Sie hatte diese Manöver nie gelernt und jetzt auf sich allein gestellt mit einer 45 ft. Yacht, das konnte  nicht klappen. Der Schweiß tropft mir in der vom langen Motoren aufgeheizten Kabine von der Stirn.  Der ebenfalls in diesem Stauraum befindliche 40 ltr.Warmwasser- boiler macht den Aufenthalt auch nicht angenehmer. Aber irgendwann war der Vorfilter raus. Obwohl bereits ein neues Filterelement in Reichweite lag, bemerke ich jetzt den Grund für den 2. Ausfall nach so kurzer Zeit. Schon beim ersten Wechsel sollte ja alles recht schnell von statten gehen. Aus diesem Grund hatte ich nicht bemerkt, dass das zu wechselnde Filterelement, welches mittels zwei Dichtungsringen zwischen einem Ober- und einem Unterteil eingeklemmt verschraubt wird, bei der Entnahme den unteren Dichtungsring  „mitge- nommen“ hatte. So wurde also von mir der neue Filter ohne die erforderliche untere Dichtung eingesetzt.                                                                                                                                             So gesehen war es eigentlich ein Wunder, dass der Motor noch so lange lief, obwohl er ständig Luft ansaugte und wieder seinen Dienst mangels Kraftstoff verweigerte. Der Wechsel auf einen weiteren neuen  Filter war also nicht erforderlich! Es wurde lediglich, nachdem  mal wieder im Cockpit ausgeholfen werden  musste, die fehlende Dichtung eingelegt und alles zusammengebaut. Wieder musste die Anlage, nun zum letzten Mal in 2013, entlüftet werden. Jetzt war alles gut und wir konnten unsere Fahrt auf den letzten 32 Kanalkilometern in Richtung Kiel-Holtenau fortsetzen. Es kam aber noch zu einer weiteren Begebenheit, die hier noch angesprochen werden soll, da sie nicht alltäglich ist. 1/2 sm vor der Schleuse melde ich mich über UKW Kanal 12 bei „Kiel-Kanal IV“ (das ist die offizielle Bezeichnung für den Schleusenbereich in Kiel- Holtenau) und äußere den  Wunsch um Schleusung der SY Tauranga in Richtung Osten. „Ja ok, kommen Sie mal näher und warten Sie am Schwimmsteg auf der Backbordseite vor der Schleuse“!  „Es kann noch ein paar Minuten dauern, da noch ein Großsegler in der nördlichen Kammer liegt“! Mit dem Fernglas kann ich den Großen sehen, der seinerseits auf der Bb.-Seite (unserer Stb.-Seite) festgemacht hat. Er soll also erst aus der Schleusen- kammer heraus fahren, bevor wir hinein dürfen. Da wir keine Lust haben an dem niedrigen Schwimmsteg festzumachen (dessen oberen Planken sich gerade einmal 25 cm über der Wasseroberfläche befinden und deshalb von Bord aus schlecht erreichbar ist), drehe ich für die Wartezeit lieber ein paar Kreise und warte auf die freie Einfahrt, die mit einem weißen unterbrochenem Licht angezeigt wird. Während dieser Zeit hängt Anita unsere Fender auf der Stb.-Steite an die Reling, da wir i.d.R. mit dem Saildrive vorzugsweise an dieser Seite (unter Ausnutzung des Radeffektes) festmachen. Außerdem hat das Festmachen an Stb den Vorteil, dass man nach dem Entern der Schleusenleiter gleich auf der richtigen Seite ist und nicht den Umweg bis zum Ende der Schleusenkammer und über das dort geschlossene Schleusentor gehen muss um die Kanalgebühren zu bezahlen. Aber hatte der Schleusenwärter nicht etwas gesagt von an Bb festmachen? Anita hängt die Fender vorsichtshalber von rechts nach links. Langsam kommen wir näher an die Schleusenkammer und ich kann sehen, dass vor dem Großsegler noch genügend Platz sein musste um unser Boot dort festmachen zu können.  Da könnte man sich den langen Umweg ersparen! Also Anita, bitte alle Fender nach Stb! Als sie fertige ist höre ich über UKW, „Nein nein, nicht Stb, -legen Sie bitte an Bb. an“! OK, -Anita, bitte die Fender nach Bb.!  Wir können einlaufen! Es war nun so, dass der Großsegler immer noch in der Schleusenkammer lag (wer weiß warum der solange brauchte?) und wir nun bei weißem Licht einlaufen sollten und entsprechend der Anweisung auf der Bb.-Seite festmachten. Während wir festmachen, legt der Großsegler ab und verlässt die Schleusenkammer. Direkt hinter ihm schließen sich die Tore. Nun liegen wir auf der Bb.-Seite und auf der anderen Seite ist alles frei! Jetzt aber schnell. Anita muss nun doch den langen Weg über die geschlossenen Tore nehmen und auf der anderen Seite wieder zurückgehen, um das Verwaltungsgebäude zu erreichen. Wie sie mir nach ihrer Rückkehr berichtete, war es dort so, dass der Kiosk, in dem man normalerweise bezahlt, schon geschlossen hatte und die ange- brachten Schilder auf einen Automaten hinwiesen, gleich um die Ecke. An dem Automaten steht: Zahlen Sie Ihre Kanalgebühren! Da sie nicht wusste, was sie nun eingeben soll, drückt sie die Taste „Info“! Daraufhin meldet sich der Bedienstete aus dem „Tower“ der Schleusenanlage und fragt wie er helfen könnte. Anita: „Ich möchte unsere Kanalgebühr bezahlen“! Daraufhin der Bedienstete (es war wohl derselbe vom Funk): “Ach wissen Sie was, sie haben an Bord der Tauranga so schön mitgearbeitet, die Gebühr schenken wir Ihnen heute”! Donnerwetter! Nach vielen Durchfahrten des NOK brauchten wir diesmal tatsächlich nichts zu bezahlen! Vermutlich hatte er aus seiner Kanzel die vielen Wechsel der Fender von der einen Seite zur anderen beobachtet und erließ uns tatsächlich die Gebühr. Mit einem Dankeschön und einem letzten Winken zur Kanzel mit den schräg geneigten Scheiben hoch oben über der Anlage verlassen wir als einziges Boot kurz vor 20.00 Uhr die Schleuse (zu dieser Zeit – Anfang Sept- dürfen Sportboote den Kanal nur bis um 20.00 Uhr benutzen). Nach 20.00 Uhr ist Fahrverbot für alle, die nicht zur Großschifffahrt gehören.
Bild aus 2012 nach dem Umpumpen des Kraftstoffs zurück