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Bericht von der Hessenregatta 2015
Die diesjährige Teilnahme an der Hessenregatta war für die "Tauranga" eigentlich zum Abhaken. Dabei sah anfänglich alles recht gut aus. Ein neuer Spi war an Bord und eine recht brauchbare fünfköpfige Crew vorhanden, welche Garant für eine Platzierung der vorderen Plätze sein sollte. Von den Fünfen waren vier erfahrene Segler. Ein weiterer Mitsegler war schon mit dem Eigner gemeinsam auf einem 14-tägigen Urlaubstörn im MM unterwegs, verfügte aber ansonsten über keine Erfahrungen, geschweige denn Regattaerfahrungen. Doch dann brachten die Gegebenheiten der Realität alles durcheinander. Steffen, ein wirklich guter Mitsegler und seit Jahren dabei, hatte sich einen Bänderriss zugezogen und fiel aus. Ausgerechnet er, der sich auf dem Vorschiff und dem Spi-Setzen und Bergen bestens auskannte. Kurz danach die nächste Hiobsbotschaft. Pierre hatte einen Todesfall in der Familie und konnte ebenfalls nicht teil- nehmen. Da waren wir nur noch zu Dritt. Zwei Segler und ein Neuling! Beim gedanklichen Durchgehen, wer so kurzfristig als Ersatz infrage kam, kam ich auf den Paul. Paul war Rentner/ Pensionär und war der einzige, der möglicherweise auch kurzfristig zur Verfügung stand. Aber hat er auch Zeit? Eine kurze Mail, eine Woche vor der Regatta, brachte die Gewissheit. Er konnte! Zum Paul sei noch erwähnt, dass auch er schon vor einigen Jahren mehrfach mitgesegelt ist. Aber als alles andere, als ein Segler einzustufen ist. Nun ja, da waren wir zu Viert. Zu allem Überfluss hatte ich mir selbst einen bösen Husten mit einem grippalen Infekt zugezogen, der sich seit Wochen festgesetzt und nicht besser werden wollte. Richtige Hustenattacken, gepaart mit ständiger Niedergeschlagenheit und fehlender Fitness sprachen auch nicht gerade für eine Regattateilnahme. Antibiotika brachte kaum Besserung. So war es für mich selbst tatsächlich begrüßenswert, dass die geplante erste Wettfahrt am Sonntag nach Gedser wegen starken Winden gecancelt wurde. Immerhin war sich der Veranstalter seiner Verantwortung für die Sicherheit der 80 gemeldeten Yachten und deren fast 400 Teilnehmer bewusst und sagte die Wettfahrt des ersten Tages, die nach Gedser hätte gehen sollen, aus Sicherheitsgründen ab. Wie ich später, nachdem ich mich mal wieder völlig erschöpft aus der Koje aufgerappelt hatte feststellen musste, zeigte der Windmesser im Hafen volle 8 Bft. aus West! Die Crew des kleinsten teilnehmende Bootes, ein H-Boot vom Edersee, war sicher auch für diese Entscheidung mehr als dankbar.                                                                 Am Montag den 18. Mai geht es aber endlich los, die Hessenregatta 2015 wurde                                                                 gestartet. Bei moderaten Winden ging es an Gedser vorbei direkt nach Stubbe-                                                                 köbing im Grönsund/DK. Wie in den letzten Jahren auch war dieser Hafen                                                                 nach dem Ausfall von Klintholm (wurde seinerzeit im Mai nicht bewirtschaftet)                                                                 vom Veranstalter der Regatta als Ausweichhafen favorisiert. Nicht zuletzt deshalb,                                                                 weil hier der Hafenmeister den Fischereihafen für die Teilnehmer frei hielt und                                                                 außerdem heiße Grills für die Teilnehmer bereitstellte.                                                                 Nun, an diesem Montag waren wir recht spät im Hafen, weil der Wind nach der Wegetonne auf dem Gedser Riff einzuschlafen drohte. Bis dahin lief es für die Tauranga eigentlich recht gut, wenn auch nicht unbedingt allererste Sahne. Sieht man mal von einem kleinen Zwischenfall auf etwa der Hälfte der Strecke ab, bei dem eine andere Yacht wegen einer nicht nachvollziehbaren Kursänderung  uns unbedingt ausbremsen wollte. Später dazu mehr! Ja, die nicht aufeinander eingespielte Crew hatte erwartungsgemäß doch erhebliche Probleme beim Schiften des Spinnackerbaumes auf die andere Seite. Mit der Kursänderung an der roten Tonne auf dem Gedser-Riff war dieses Manöver erforderlich geworden um den neuen Kurs zur Ansteuerungstonne "Grönsund E" anlegen zu können. Nach ca. 45 Minuten ging es weiter. Der um das Vorstag gewickelte Bergeschlauch, der um den Spi-Baum gewickelte Spi und die Topnant waren wieder halbwegs klar. Da auf Grund der ausgefallenen ersten Wettfahrt diesmal mit keinem Streicher zu rechnen war und es für uns an diesem Tag alles andere als gut aussah, versuchte ich in Anbetracht des schwächer werdenden Windes auf UKW-Kanal 69 den Veranstalter zu einem Abbruch der heutigen Wettfahrt zu "überreden". Die jeweilige Durchgangszeit an der roten Tn. (Wegetonne) auf dem Gedser Riff war ja vorhanden und von allen Yachten per Funk durchgegeben worden. Diese Zeit hätte als Zielzeit für diesen Tag zur Verfügung gestanden, so wie es auch schon bei früheren Wettfahrten an anderer Stelle gemacht wurde, als nach dem Passieren der Wegetonne der Wind schwächer wurde. Der Wettfahrtleiter gab aber an, dass er für diese Entscheidung noch eine halbe Stunde warten wolle und darüber hinaus vom Hafenmeister von Stubbeköbing die Info hätte, dass noch ein Regenschauer durchziehen würde und mit diesem dann auch wieder mit mehr Wind gerechnet werden konnte. Außerdem spuckte mir noch eine andere Yacht mit ihrem Vorschlag in die "Suppe", -nein nein, nicht abbrechen, wir laufen gerade 4 - 5 Knoten. Nun ja, wir liefen nur 3 kn; -man konnte es ja mal versuchen  Die angegebenen 4 - 5 kn waren sicherlich auch irgendwo im weit auseinander gedrifteten Regattafeld möglich. Der Vorschlag einer anderen Yacht, "die heutige recht lange Wettfahrt in 2 Teile zu zerlegen" wurde zwar von der Regattaleitung dankend zur Kenntnis genommen, aber leider auch nicht umgesetzt. Die Grundidee dafür war ja nicht schlecht. So hätte man insgesamt 5 Wettfahrten gehabt, wovon die Wettfahrt mit dem schlechtesten Ergebnis entsprechend der Ausschreibung gestrichen werden konnte. Für uns wäre der Streicher nach der Wegetonne auf dem Gedser Riff bis zur Ansteuerungstonne Grönsund mehr als willkommen gewesen. Die sekundengenauen Zeiten an der Wegetonne wurden ja, wie schon angegeben, von allen über Funk an die Regatta- leitung durchgegeben und hätten für eine Zweiteilung der 1. Wettfahrt zur Verfügung gestanden. Leider war alles Wunschdenken! Tatsächlich kam der vom Hafenmeister angekündigte Regenschauer und mit ihm wieder mehr Wind. Als vorletztes Boot der Gruppe "G" erreichten auch wir die Zieltonne “Grönsund E” (als 51. Yacht von allen nach be- rechneter Zeit). "Was ist denn mit euch los, ihr seid doch sonst immer so schnell"?, kam die Frage von der "Niddasche", mit der wir mehr oder weniger parallel nebeneinander im Grönsund in Richtung Stubbeköbing liefen. Sie gehörte zu unserer Gruppe "G" und war 17 Sekunden vor uns über die Ziellinie gegangen. Oliver rief zurück: "Am Schiff hat es nicht gelegen"! Auf Grund der schlechten Platzierung an diesem Tag und dem damit zusammen hängenden spätem Einlaufen in Stubbeköbing konnten wir natürlich nicht wie üblich in der ersten Reihe, sondern in einem weiter hinten gelegenem 5er- Päckchen festmachen. Dafür 25,- Euro Liegegebühr zu verlangen war schon grenzwertig. Der in Aussicht gestellte Stromanschluss war zwar vorhanden, aber die ganze Nacht über stromlos. Was bloß meinte der Veranstalter mit seiner UKW-Durchsage, dass von allen Yachten in den angelaufenen Häfen die Liegegebühr zu bezahlen ist und, möglicherweise aufgrund der Regatta mit einem Preisvorteil zu rechnen ist? Das konnte er doch nicht für diesen Hafen gemeint haben! (?) Anmerkung: Im später angelaufenen Yachthafen Grömitz, ein Hafen, mit nach meiner Auffassung hervorragender Infrastruktur und tollem Ambiente und nicht mit diesem Fischereihafen zu vergleichen, waren nur 26,- € für die 45. ft Tauranga zu zahlen! Da half bei diesem Regenwetter auch nicht die Tatsache, dass man für die Teilnehmer in einer der Fischereihallen Bänke aufgestellt hatte und welch Wunder, doch tatsächlich die rauchenden Grills mittels Gabelstapler ebenfalls in diese Halle brachte. In wenigen Minuten war die geräumige Halle so etwas von eingeräuchert, dass man kaum noch etwas sehen konnte. Erst als man diese wieder entfernt und in eine andere kleinere Halle brachte, verbesserte sich die Situation. Aber nur für diejenigen, die die Grills in der Folgezeit nicht aufsuchten und anderen das Grillen in der unzumutbar eingeräucherten Halle überließen.  Auf Grund meines sich kaum verbesserten Gesundheitszustandes war ich heilfroh, dass sich die restliche Crew um Würstchen und Steaks kümmerte und sich gegenseitig ablöste. Ich konnte auf meiner einmal angewärmten Bank sitzenbleiben. Was für ein Unterschied zum letzten Jahr. Im Mai 2014 war es warm bei herrlichem Sonnenschein. Alle saßen draußen, direkt an den Booten und waren guter Laune. Und diesmal; Shietwetter und Kälte. Da half auch die Livemusik nicht die Stimmung zu bessern. Was mögen nur diejenigen denken, die in 2015 zum ersten Mal bei der HR dabei sind und dann mit dieser Regenfront und der damit einhergehenden Kälte konfrontiert wurden. Vielleicht sogar die Temperaturen und die Sonne von ihren Törns im Mittelmeer gewöhnt sind. Ob die noch einmal für die HR auf der Ostsee melden?                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Wie schrieb doch später der Regattaleiter in seinem Bericht, der auf der HP des Veranstaltern nachzulesen ist:      “Die Regatta 2015 wird in die Geschichte der Hessenregatta als härteste Regatta in diesem Jahrtausend eingehen.              An nur vier, statt fünf Tagen segelte die Flotte die vorgesehene Strecke bei sehr niedrigen Temperaturen ab!” Die Crew der Tauranga war jedenfalls froh, dass wir das überstanden und hinter uns hatten und, Dieselheizung sei Dank, völlig durchgefroren wieder an Bord waren und uns aufwärmen konnten. Am nächsten Morgen erfolgte der Start für uns wieder mit der letzten Gruppe an der Ziellinie vom Vortag, nämlich an der Ansteuerungstonne vom Grönsund. Diesmal hoch am Wind in Richtung Süden nach Warnemünde. Dass wir erst mit 2 ½ Minuten Verspätung über die Startlinie gehen, soll hier nicht extra erwähnt werden. War aber so. Fast alle vor uns liegende Yachten gehen bei 5 Bft. raus auf See und kämpfen gg. Wind und Welle. Bereits mit dem Auslaufen aus dem Grönsund mussten wir feststellen, dass es hier auf See doch kräftiger wehte als das noch im geschützten Bereich des Sundes zu spüren war. Ich hatte mich für die Genua 1 und ein Reff im Groß entschieden. Hätten wir doch nur die Genua III gesetzt! Es hilft alles nichts, wir müssen da durch. Ein Segelwechsel kommt jetzt nicht mehr in Frage. Also wird das gereffte Groß relativ offen gefahren, was uns ein ausgeglichenes Segeln ohne Ruderdruck bescherte. Außerdem fahren wir bei dem herrschenden "SW" eine Wende um dichter unter Land (Falster) zu kommen und so möglicherweise in einen Bereich mit einer nicht mehr so kurzen steilen Welle zu kommen, die das Schiff ständig aus- bremst. Tatsächlich stellt sich diese Entscheidung als die richtige Taktik heraus. Etwas weniger Welle! Der auch etwas abnehmende Wind wird durch die Herausnahme des Reffs mehr als wettgemacht. Nur wenige Yachten folgen uns und wenden deutlich früher, -fahren nicht dicht unter Land. An der Wegetonne "W69" sind nur noch wenige Yachten vor uns. 95% aller sind hinter uns. Auf dem weiteren Weg nach Warnemünde haben wir nur noch die Maxima (eine X-50) vor uns, die auch als erste die Ziellinie zwischen den Leuchttürmen von der Einfahrt Warnemünde überquert. Ob sie aber auch nach berechneter Zeit vor uns liegt? Wie in den Jahren zuvor finden wir "unseren Liegeplatz" direkt an der Brücke im Alten Strom. Mist, wieder kein Strom! Da der Hafenmeister die Tauranga von früheren Besuchen des Hafens kennt, sorgt er schnell für Abhilfe. Zumindest versucht er es. So wird von ihm festgestellt, dass mit unserer Landverbindung etwas nicht stimmt, nicht stimmen kann. Denn der FI vom Hafen fällt nach dem Anschließen unserer Leitung sofort heraus. Jetzt fällt es mir auch wieder ein. Beim Ablegen des Päckchens hinter uns am Morgen in Stubbeköbing war unsere Leitung ins Hafenbecken gefallen und lag dort über längere Zeit auf dem Grund des Fischereihafen. Scheinbar trocken - aber wohl doch nicht ganz, entstand nun im Stecker ein Kriechstrom, der den FI auslöste. Er bot mir tatsächlich an, den Stecker von einem seiner Adapter in seinem Büro abzuschrauben und uns zu geben. Im Gegen- zug wollte er unseren Stecker mit ca. 40 cm Leitung in Süßwasser spülen und anschließend auf der Heizung längere Zeit trocknen. So wurde es auch gemacht und wir hatten wieder Strom, nachdem der schiffseigene FI auch noch eingeschaltet wurde. Erst am nächsten Tag wurden die Ergebnisse der 2. Wettfahrt im Flur der Landessportschule MV ausgehangen. Als 2. Schiff in unserer Gruppe und auch als 2. Yacht von allen hatten wir nach berechneter Zeit die Strecke von Stubbeköbing nach Warnemünde zurückgelegt. Wieder einmal hatte die Tauranga ihre guten Am-Wind-Eigenschaften bewiesen. Nur die "Jonathan", die Gesamtgewinnerin der Hessenregatta von 2014, 2013 und 2012, war, obwohl sie 10 Minuten hinter uns auf der Ziellinie war, durch ihre hohe YS von 86 vor uns nach berechneter Zeit. Die Maxima (X-50) mit YS 78 wurde nach berechneter Zeit als 6. Yacht aufgeführt. Im Ergebnis rutschte die Tauranga nun vom 8. auf den 5. Platz in der Gruppe "G" nach vorn. Wie immer war am Mittwoch Bergfest in Warnemünde angesagt. Ich versuchte mich so zu verhalten, dass an diesem segelfreien Tag einer eigenen Genesung nichts mehr im Wege stand. Allerdings wurde es kaum besser! Am Abend gemütliches Beisammensein im Schuppen der Landessportschule MV. Wieder mit einem gemeinsamen Essen, Tombola und Livemusik. Wie es der Zufall will - vielleicht war es auch keiner, nimmt die Crew der Yacht neben uns Platz, die die Tauranga auf dem ersten Törn nach Stubbeköbing auszubremsen versuchte. Was war geschehen: Da die Tauranga eines der schnellsten Schiffe des gesamten Feldes ist, wird sie vom Veranstalter natürlich auch in die Gruppe "G" eingestuft. Die Gruppe also, die als letzte startet, -eine volle Stunde nach dem Start der Gruppe "A". So ist es nicht verwunderlich, dass im Laufe des Tages die Yachten der langsameren Gruppen eingeholt und auch überholt werden. Wohl haben alle das gleiche Ziel, aber längst nicht alle den gleichen Kurs. Da ich als Steuermann immer versuche die kürzeste Strecke zwischen A nach B zu wählen, gibt es nur geringste Abweichungen von diesem Kurs. Normalerweise weniger als eine Schiffslänge (GPS und den Instrumenten am Mast und auf den Steuerständen sei Dank). Nur beim Überholen von langsameren Yachten kommt es zu Abweichungen. So wird schon aus der Distanz heraus entschieden, ob in Luv oder in Lee überholt wird. Je nachdem, was den geringsten Umweg und/oder den geringsten Zeitverlust erwarten lässt. Wenn ich mich für Lee entscheide, dann heißt das aber auch, dass ich einen größeren Abstand zu dem langsameren Schiff halte, um nicht durch dessen Abwinde mehr als nötig aufgehalten zu werden. Ein leeseitiges Durchlaufen mit geringem Abstand ist bei fast gleich großen Yachten nicht möglich. Dann hängt man fest! So sehe ich die gefühlte 30.ste Yacht voraus, leicht in Luv liegend, die es zu überholen gilt. Keine große Aktion, denke ich und falle unter Spi etwas ab. Dummerweise fällt diese Yacht nun aber auch ab. Warum nur? Keine Ahnung! Ich falle noch weiter ab. Mit dem Ergebnis, dass auch diese mir unbekannte Yacht noch weiter abfällt. Was ist da los, was haben die vor? Das ist doch kein Konkurrent aus unserer Gruppe! Der vorher als beachtlich eingestufte Abstand in Lee zu dieser Yacht wird immer kleiner. Trotzdem laufen wir natürlich auf, bis wir vollends in Lee sind. In nur noch 2 bis 3 Schiffslängen Abstand komme ich nicht vorbei, hänge in den Abwinden von deren gesetztem Gennaker fest. Nun erst erkenne ich den Schiffsnamen der Hanse 400. "Elise" ist klein und unscheinbar am Bug zu lesen. Ich will vorbei, aber man lässt mich nicht! Da ich keine Lust habe mich zurückfallen zu lassen (um in Luv vorbei zu gehen), wie sollte ich das auch machen? -greife ich in die Trickkiste - die mir die Wettfahrtregel Nr. 11 ermöglicht (Überlappung war schon lange gegeben)! Ich luve an und rufe gleichzeitig das allseits bekannte Wort "Raum" hinüber. Endlich tut sich was! Der Steuermann luvt tatsächlich an und die Tauranga ist im nächsten Moment vorbei. Trotzdem hat uns der ganze Spuk ein paar Minuten Zeit gekostet. Zeit, die uns vielleicht zum Gewinn der Regatta fehlt : = ( Und nun sitzt der Steuermann der "Elise" seit einiger Zeit neben mir auf der Bank im Schuppen der Landessportschule und trinkt, wie alle anderen auch, sein "Rostocker". Natürlich kommt das Gespräch auf die Situation des Überholens. Aber mit keinem Wort gibt er sich als Steuermann zu erkennen. Ich halte den namentlich bei der Regattaleitung an- gegebenen Steuermann (der im Moment nicht anwesend ist) für den tatsächlichen Steuermann. Mit dem gewohnt gesenkten Haupt und über die Brille schauend spricht mein Nebenmann von: "Der Überholer hat sich frei zu halten", "außerdem muss man dem Überholten Zeit zum Reagieren geben"! Offenbar hat er mit seiner Aussage die KVR im Kopf, aber nicht die Wettfahrtregeln! Ich bin verwundert und werfe ihm vor, dass er keine Ahnung vom Regattasegeln hat. Darauf kontert er: "dass er auf die Erfahrung von ca. 150 Regatten mit Jollen zurückblicken kann".  Wow, mir fällt nichts mehr ein! Mit 15o Regatten kann ich nicht mithalten, komme selbst gerade einmal auf ~ 50. Aber keine Jollenregatten auf einem Binnensee, sondern Hochseeregatten! Bei meiner Frage, warum die Elise immer weiter abgefallen ist? - bekomme ich keine Antwort. Der Mann mit dem gesenkten Haupt äußert sich dazu nicht. Nach meiner Einschätzung konnte es durchaus sein, dass nur der tatsächliche Steuermann wusste, dass der ursprünglich eingeschlagene Kurs verlassen und weiter abgefallen wurde. Möglicher- weise hat die restliche Crew das überhaupt nicht mitbekommen! (?) Etwas später ist auch der eingetragene Steuermann am Tisch und das Thema wird erneut von allen Seiten beleuchtet. Erst jetzt wird klar, dass nicht er, sondern der neben mir Sitzende (der mit dem ständig gesenktem Kopf) zu diesem Zeitpunkt der Steuermann war! Warum hat er das anfänglich für sich behalten, -nicht mitgeteilt? Im Nachhinein betrachtet war es wohl so, dass die Crew der "Elise" schon von weitem erkannte, dass da von achtern die Tauranga mit ihrem auffälligen bordeauxrotem Rumpf und dem über 3 m langen Schiffsnamen am Bug näher kam. Ich unterstelle nun auch, dass alle an Bord der "Elise" genau wussten, was man vorhatte und gemeinsam dieses Vorhaben beschloss. Na prima! Dabei hatte ich mich doch wirklich gefreut, dass zum ersten Mal nicht nur ein Schiff unter dem Stander der "HVK" an der Hessenregatta teilnahm. Solche “Zweikämpfe” sind nicht neu! Aber doch nur unter unmittelbaren Konkurrenten mit gleicher Performance in der gleichen Gruppe und nicht wie hier, zwischen einem langsamen Charterboot und einem schnellen Eignerboot. Nach diesem kleinen Schwenk in der Vergangenheit - zurück zum Regattaablauf. Am 21. Mai ging es weiter nach Grömitz. Bei W-Wind muss auch an diesem Tag gegenan gekreuzt werden.  Sollte es wieder so gut für uns laufen? Nach dem Start konnte man erkennen, dass fast alle dicht unter Land die kürzeste Strecke suchten. Nur etwa 10 bis 15 Boote gingen raus auf See in der Hoffnung, in kein Windloch zu kommen. Die Tauranga hinterher! Der Törn war etwas unangenehm wg. der immer noch steilen kurzen Welle, -aber machbar. Irgendwann war kein anderer mehr auf gleicher Höhe. Wohl aber hatten wir uns fast 5 sm von der kürzesten Verbindung entfernt und mussten wenden um wieder nach Süden zu kommen. Nach einer weiteren Wende konnten wir die von der Regattaleitung vorgegebene Wegetonne, die Tn 2 vom Lübeck--Gedser-Weg (musste an Bb gelassen werden) erreichen. Vor uns nur 2 Yachten. Wieder dabei die X-50. Bei immer schwächer werdendem Wind verteilten sich die wenigen in Führung liegenden Yachten, da sich hier die Segeleigenschaften zwischen den leichten und etwas schwereren Yachten deutlich unter- schieden. Außerdem wollte sich der Wind hier unter Land fast alle 50 m auf eine andere Richtung festgelegen (fast wie am Edersee). Eine vertrackte Situation. Trotzdem kommen wir an die Ziellinie an der Seebrücke heran und können, wie schon an der Tn 2 unsere Zielzeit an die Regattaleitung durchgeben. Wieder lag die X-50 vor uns. Nach berechneter Zeit aber doch wieder nicht. Dafür aber erneut die vermeintlich unschlagbare "Jonathan". Das Ergebnis für diesen Tag war so, dass die Tauranga die drittschnellste Zeit ersegelt hatte und sich neben der Jonathan noch eine leichte X-34 dazwischen geschoben hatte. Nun lagen wir nicht mehr auf Platz 5 in der Gruppe "G", sondern auf Platz 3, mit der Pokalverteidigung in Sicht. Von allen hessischen Teilnehmern belegt die Tauranga wie schon auf dem Weg nach Warnemünde den 1. Platz! Wenn, -ja wenn der nächste Tag nicht wieder ein Spi-Kurs mit schwachem Wind gewesen wäre. Wenn nicht wieder der Spi hätte geschiftet werden müssen (diesmal deutlich schneller). Trotzdem sehe ich für die letzte Wettfahrt eine Pokalverteidigung in weiter Ferne und lege mich, da der Ausgang dieser Wettfahrt nun bedeutungslos wird, wg. immer noch mangelnder Fitness in die Koje. Um es kurz zu machen, mehr als Platz 5 in unserer Gruppe war nicht drin. Im Gesamtergebnis aller teilnehmenden Yachten der Hessenregatta 2015 bedeutete das für uns Platz 19. In Anbetracht der Umstände, der zusammengewürfelten Crew und meiner gesundheitlichen Einschränkungen noch ein akzeptables Ergebnis. Ob die "Tauranga" in 2016 zur 25. Hessenregatta wieder dabei ist? Ich weiß es noch nicht! Bericht vom Veranstalter Nachtrag: Im Mitteilungsblatt der HVK (II/2015) wurde in einem Zweizeiler auf die Teilnahme an der diesjährigen HR eingegangen und fol- gendes berichtet:  “. . . auf der gecharterten “Elise”, einer Hanse 40, hatten eine wunderschöne Segelwoche. Wir konnten viele Erfahrungen sammeln und hatten viel Spaß. Die Teilnahme an der 25. Regatta in 2015 ist geplant.”  Zitat Ende! Wer hätte das gedacht?
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