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Bericht von der Hessenregatta 2014
Von Anfang an können wir in diesem Jahr das neue Groß (siehe Bericht von der HR 2013) anschlagen und an den Start gehen. Wir, das sind mit drei Mann die Crew vom letzten Jahr (Steffen, Stefan und meine Wenigkeit) und zwei neue. Der Heinz, ein Top-Trimmer vom Bodensee und der Neuling Hans-Peter aus dem Landkreis Kassel. Die erste Wettfahrt mit Start vor dem Südstrand Burgtiefe nach Gedser lief nicht schlecht. Während eines kräftigen Regengusses muss ich kurz nach unten und meine neue Regenjacke holen. Noch während ich in der Kabine bin, höre ich von draußen, „kleine Tonne voraus“. Ich kann es kaum glauben, aber wir haben bei der momentan schlechten Sicht tatsächlich die Tn. Schönheyders-Pulle, die  Zieltonne der ersten Wettfahrt, etwa 50 m vor uns. Nicht als erste Yacht, aber doch ziemlich weit vorn des gesamten Regattafeldes. Später am Regattabus im Yh. Gedser kann man in der Ergebnisliste sehen, dass wir auf dieser Strecke nach gesegelter Zeit das schnellste Schiff von allen waren und 59 Sekunden vor der „Maxima“, einer X-50, über die Ziellinie gingen. Nach berechneter Zeit reichte es allerdings nur für Platz 3 von allen 76 gestarteten Schiffen. Nur die Jonathan, eine Comfortina 42 mit YS 87 und die tut-nix, eine X-40, lagen nach berechneter Zeit  vor uns. Der Abstand zu diesen beiden Yachten von über 10 Minuten bzw. mehr als  8 Minuten vor der Zweiten hat leider nicht  für den 1. Platz (von allen gestarteten Schiffen) gereicht. Die Yachten, die vor uns auf der Ziellinie waren, gehörten zu früher gestarteten Gruppen, die nach dem Känguru-Start bis zu einer Stunde vor der Gruppe G (unserer Gruppe) gestartet waren. Trotzdem; I am happy. Tag 2 (Montag): Beim Auslaufen am nächsten Tag eine Überraschung im Vorhafen! Ca. 20 Meter vor der Hafenausfahrt blubbert es verdächtig. Es sieht aus, als wenn dort gerade eine neue Insel entsteht. Es wird doch wohl keine unbekannte unter- seeische Vulkanaktivität im Süden von Dänemark geben? Dunkelbraune Brocken immer größer werdend erreichen die Wasseroberfläche  –und wir müssen daran vorbei! Es blubbert immer stärker und ich fahre die Tauranga  langsam und vorsichtig heran, schließlich müssen wir recht- zeitig zur Startlinie. Dann die Erleuchtung! Ein scharfer Geruch erreicht plötzlich unsere Nasen. Nein, kein Schwefel, sondern viel banaler!  Es ist gegorene und eingetrocknete Gülle aus einem Entwässerungsrohr der Sanitäranlagen dieses Yachthafens. Nicht zu fassen, -so eine Schweinerei! Hier, noch innerhalb des Hafenbeckens, endet also eine Abwasserleitung! Es ist neblig an diesem Morgen, die Sicht sehr eingeschränkt. Auf dem Weg zur Startlinie kommt über den abge- sprochenen Kanal 69 der UKW-Funke die Info, dass die Startlinie nach Osten verlegt wird, zur roten Tonne, der letzten terrestrischen Markierung unter Land auf dem Gedser Riff. Alle Yachten drehen ab und nehmen Kurs auf diese Tonne, an der eine neue Startlinie, bestehend aus eben dieser Tonne und dem Startschiff „Famagusta“ aufgebaut wird. Wie schon angegeben, startet unsere Gruppe „G“ wieder als letzte von insgesamt 7 Gruppen. Wir haben also noch Zeit und halten reichlich Abstand zu den Gruppen, die nun in den Bereich vor der Startlinie segeln. Man möchte diesen früher startenden Yachten ja nicht bei ihren Vorbereitungen in die Quere kommen. Nach dem Start der vorletzten Gruppe nähern auch wir uns der Startlinie und sehen zum ersten Mal bei diesen immer noch stark eingeschränkten Sichtverhältnissen die Tonne und auch das Startschiff. Nun können wir auch erkennen, dass dem Vertreter der Regattaleitung beim Aufbau der Startlinie ein Lapsus unterlaufen ist. Statt die Startlinie quer zum Ziel zu legen, liegt sie nun genau in Richtung zum Ziel. So machen fast alle bei dem bestehenden NE-Wind kurz nach dem Passieren der Startlinie eine Wende auf Bb-Bug, um den Kurs zur Ansteuerungstonne des Grönsundes in NNE-licher Richtung anzulegen. Schnell stellt sich heraus, dass man den Kurs nicht direkt anlegen kann und den einen oder anderen Holebug fahren muss. Jetzt geht es wieder darum eine taktische Entscheidung zu treffen, sich festzulegen! Lieber einen Umweg fahren, in der Hoffnung weiter draußen den besseren und evtl. konstanteren Wind zu finden oder sich doch zwangsläufig dem Ufer immer weiter zu näheren, weil die Zieltonne auf direktem Weg nicht erreicht werden kann? Die Tauranga findet sich dann mitten zwischen den anderen, also weder zu dicht unter Land und auch nicht zu weit draußen. So wird auch recht früh auf Stb-Bug gewendet, obwohl die anderen Yachten unserer Gruppe weiter den alten Kurs laufen und zwangsläufig dichter unter Land kommen. Erst viel später wenden auch sie und kreuzen unser Kielwasser in einiger Entfernung. Erfreulicherweise alle hinter uns. Wobei „hinter uns“ schon mal ein gutes Zeichen ist, denn somit ist keiner vor uns! Sie alle fahren weiter hinaus, um von dort aus die Ziellinie evtl. direkt ohne weitere Wende anlegen zu können. Mit dem Wissen des Wetterberichtes von heute Morgen im „Hinterstübchen“, der tatsächlich die stündlichen Wind- verhältnisse für dieses Gebiet angibt und diesen Wind zwischen 13.00 und 14.00 Uhr für unser Gebiet etwas raumer angab, bleiben wir auf Kurs und hoffen darauf, dass die Vorhersage richtig ist und auch zutrifft. Denn dann könnten auch wir, ohne eine weitere Wende fahren zu müssen, das Ziel erreichen! Tatsächlich  raumte der Wind immer mehr, genau so wie es der skandinavische Wetterbericht vorhergesagt hatte. Mittlerweile kann die „Tauranga“ den direkten Kurs anlegen und braucht, wenn es so bleibt, keine weitere Wende mehr zu fahren. Allerdings kommen nun Zweifel der Crew auf, ob die Tauranga auf dem richtigen Kurs ist. Es ist für sie nicht zu über- sehen, dass alle anderen, die weiter auf See gekreuzt sind, einen deutlich höheren Kurs am Wind fahren. Ich rede mir ein, dass meine Navigation eigentlich immer richtig war und die Mastinstrumente schon genau wissen was sie mir anzeigen.  Warum sollte das heute anders sein? Je mehr wir uns der Ziellinie nähern, kommen die Yachten, die weiter nach Osten gefahren sind, sukzessive und ganz langsam von weiter draußen wieder zurück und näheren sich unserem Kurs. Sie haben bei dieser Wettfahrt einen deutlichen Umweg gefahren und rauschen nun mit einem Schrick in den Schoten und voller Fahrt ebenfalls zur Ansteuerungstonne Grönsund-Ost. Nichts desto trotz, stellte unser Trimmer Heinz von Anfang an wieder alle möglichen Parameter an den Segeln ein. Nichts bleibt unverändert. Die Unterliekspannung vom Groß wird reduziert, die Achterstagspannung verändert. Die Großschot gefiert, aber der Traveller weit in Luv gefahren. Alle Windfäden von unserem Regatta-Groß wehen achteraus. Alles ist perfekt. Selbst die Genua wird mittels Barber unter Zuhilfenahme der auf dem äußeren Decks- rand befindlichen Padeyes vom Heinz als Outhauler nach außen geschotet und bringt noch ein klein wenig mehr Vortrieb, da das Vorsegel nun nicht mehr vertwistet. So soll es sein!                                                                                                                            Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man sich als Steuermann voll und ganz auf das gradgenaue  Steuern konzentrieren kann, während das Feintuning der Segel vom Heinz ständig kontrolliert und in Perfektion angepasst wird. Lt. Heinz, der bereits auf die Erfahrungen von ca. 500 Regatten zurückblicken kann, ist es so, dass erfahrungsgemäß alle Regattateilnehmer gute Segler sind, aber nur die Besten holen halt die erforderlichen 1 – 2 % mehr Geschwindig- keit aus den Booten heraus und gewinnen die meisten Wettfahrten/Regatten. Ob das für uns und heute auch zutrifft? Als 2. oder 3. Schiff von allen erreichen wir die Ziellinie und biegen auch sofort in den Grönsund ein. Denn schließlich wartet der Hafen von Stubbeköping mit heißen Grills und Freibier auf uns. Später am Regattabus nehmen wir erfreut das Ergebnis dieser 2. Wettfahrt zur Kenntnis. Auf diesem 2. Am-Wind-Kurs wieder schnellstes Schiff von allen nach gesegelter Zeit, sogar mit einem deutlicherem Vorsprung als am Vortag nach Gedser. So reichte es diesmal auch nach berechneter Zeit für Platz 1 von allen. Unter Berücksichtigung der ersten Wettfahrt schieben wir uns in der Gesamtwertung nun auf Platz 2! Da freut sich der Skipper und mit ihm die gesamte Crew. Der Skipper der „Jonathan“ muss das wohl schon vorher gewusst haben, kam zum Liegeplatz der Tauranga und berichtete schon vor dem Aushang am Regattabus, dass die Tauranga diesmal vor ihm wäre. Meine Vermutung und die damit einhergehende Frage, ob er alle per Funk durchgegebenen Zielzeiten mitschreiben würde, wurde bestätigt. Natürlich wurde dann auch gleich unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Yachtstickzahlen alles ausgerechnet, zumindest  für unsere Gruppe. Zum ersten Mal seit vielen vielen Wettfahrten war er geschlagen! Geschlagen von der Tauranga und deren Crew, bei der zumindest heute alles perfekt klappte. Anzumerken wäre an dieser Stelle, dass die Yachtstickzahlen des DSV für die Jonathan, einer Comfortina 42, eine recht günstige 88 bzw. je nach Kielversion eine 87 ausweist, während die Tauranga die Differenz auf YS 82 erst einmal herausfahren muss. Aber an einem Tag wie diesem -war es möglich. So richtig nachvollziehen kann man diese große Differenz nicht, zumal die Comfortina 42 auf weiten Strecken eine beachtliche Performance hervorbringt. Dagegen haben die sehr schnellen X-441 (auch nach gesegelter Zeit) keine Chance! Und das, obwohl diese mit YS 86 unterwegs sind! (?) Selbst die recht professionell gesegelte „tutnix“ (X-40) mit YS 85 kommt nicht immer mit. Irgendwie schmeckte nach diesem Erfolg das Freibier und die selbstgegrillten Würstchen an diesem Tag viel besser als sonst  Tag 3 (Dienstag): Am nächsten Tag kommt der Wind immer noch aus E bis NE. Spi-Segeln ist also angesagt. Alles ist vorbereitet, als wir die Startlinie passieren. Alle Yachten laufen anfangs bei schwachem Wind, später aber bei sehr gutem Wind unter Spi mit Rumpfgeschwindig- keit und auch etwas mehr. Angeeignete und umzusetzende langjährige Erfahrungen für taktische Besonderheiten gibt es an diesem Tag nicht. Es gilt, die kürzeste Verbindung von A nach B - dem Ziel zu finden. Mit unserem ca. 30 Jahre alten Spi ist an diesem Tag kein Blumentopf zu gewinnen. Als 22. Yacht von allen (nach berechneter Zeit) überqueren auch wir die Ziellinie in der Einfahrt von Warnemünde. Sicherlich nicht schlecht, haben wir doch 54 Schiffe hinter uns gelassen. Tag 4 (Mittwoch): Am nächsten Tag ist Bergfest in Warnemünde. Es wird nicht gesegelt. Natürlich wieder mit Livemusik, Tombola und kostenloser Verpflegung im Schuppen der Sportschule des SV MeckPomm. Tag 5 (Donnerstag): Am Donnerstag startet die 4. Wettfahrt wie immer nach Grömitz. Wieder unter Spi mit dem Nachteil des immer schwächer werdenden Windes. Trotz Bahnverkürzung an der Tn.2 des Lübeck-Gedser-Weges erreichen nicht alle Yachten diese Ziellinie. So kann man sich natürlich vorstellen, dass die zuletzt gestartete Gruppe ggü. den früher gestarteten Gruppen klar benachteiligt war. So musste man mit dem Ergebnis für die Tauranga mit Platz 28 von allen (berechnete Zeit) noch zufrieden sein. Trotzdem sollte es am Ende unser Streicher werden! Tag 6 (Freitag): Der Freitag brachte nördlichen Wind. Diesmal also wieder hoch am Wind und kein Spi –Kurs. Tatsächlich finde ich auf dieser Strecke den richtigen Abstand *) zur Küste (ablandig) und kann schon anfangs an der „Hühnchen“ (was für ein Name für eine Segelyacht?), die für den SC Edersee mit YS 83 gemeldet und unterwegs ist, vorbeiziehen und die Tauranga dicht hinter der „Maxima“ (X50)  bis zur Tn. Schwarzer Grund bringen, an der kurze Zeit später der Wind endgültig einschlief. Wieder meldete sich die Regattaleitung über Funk und meldete eine erneute Bahnverkürzung zu eben dieser Tonne und nicht wie vorgesehen mit Ziellinie an der Ansteuerungstonne Fehmarnsund-Ost. Dadurch, dass wir uns anfänglich von den übrigen Mitstreitern aus unserer Gruppe etwas absetzen konnten, liegen diese nun durch den immer schwächer werdenden Wind weit abgeschlagen hinter uns. Der 12 Sekunden Vorsprung der X50 reicht an diesem Tag nicht aus, dass sie nach berechneter Zeit vor uns liegen konnte. Sie belegt den 2. Platz in unserer Gruppe! Im Ergebnis der gesamten Regatta sah es dann so aus, dass die Jonathan wieder einmal nicht zu schlagen war. Aber mit Platz 3 in unserer Gruppe und Platz 7 von allen war die 5-köpfige Crew der Tauranga doch recht zufrieden. *) wer einmal in der Bucht von Canouan (knapp 10 sm sw-lich von Mustique/Karibik) geankert oder dort an einer Boje festgemacht hat, der weiß ganz genau was ich meine!