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Bericht von der Hessenregatta 2013
Der Anruf erreichte mich am 24.05.2013, als ich auf der Autobahn nach Fehmarn unterwegs war. "Du kannst dir sicherlich vorstellen, warum ich anrufe",  sagte der Segelmacher am anderen Ende. Ich konnte es mir denken, wollte aber nicht daran glauben. Die auf der Hanseboot in 2012 bestellten Regattasegel aus Carbon (Groß und Genua 1) sollten am 22.05. fix und fertig aus Italien geliefert werden, waren noch nicht da! Statt dessen sollten sie nun am Samstag (25.05.), also einen Tag vor dem Start zur Regatta kommen. Aber, -nicht beide Segel, sondern nur das Groß! Die Genua soll überhaupt nicht gefertigt worden sein! "Ich werde mich nach der Lieferung sofort an die Arbeit machen und am Sonntagabend nach Gedser liefern"! Nach Gedser liefern - und erst am Sonntagabend? Warum muss man sich nach der Lieferung eines fertigen Segels mit einlamenierten Lattentaschen an die Arbeit machen??? Ich bin am nächsten Tag in der Mittagszeit beim Segelmacher. Das Groß ist tatsächlich angekommen, aber nicht wie mitgeteilt als fertiges Segel, sondern lediglich die rohen Membranen als Bahnenware, die erst aufwändig zusammengeklebt und vernäht werden müssen. Außerdem müssen alle Lieken zurechtgeschnitten und bearbeitet werden. Regulierleinen sind einzuziehen, Kopfbrett, Hals- und Schothorn, Verstärkungen für 18 kugelgelagerte Mastrutscher  usw. usw. Nicht zuletzt müssen die Lattentaschen aufgenäht werden, die eigentlich fertig einlame- niert sein sollten. Ich frage mich, warum ich bereits im Dez. 2012 mehr als 80% des vereinbarten Kaufpreises für beide Segel überweisen musste? Jetzt verstehe ich auch die Angabe, dass er sich gleich an die Arbeit machen wollte, sobald das Segel da ist. Also nix mit fix und fertig! Am frühen Nachmittag trifft der Buxtehuder-Express als Fahrgemeinschaft mit Steffen, Stefan und Thomas in Burgtiefe ein (alle 3 Crewmitglieder kommen tatsächlich aus Buxtehude und der näheren Umgebung). Gemeinsam mit dem Segelmacher wird unser altes Groß angeschlagen. Die Aussage "Alt" ist natürlich zu relativen. Es handelt sich um ein sehr gutes Fahrtengroß aus Carbon-Membrane und beidseitigen Taffeta. Mit ca. 50 kg allerdings nahezu doppelt so schwer als das neue Regattagroß. Auch die alte Genua 1 wird angeschlagen, welche aus dem gleichen Material gefertigt wurde wie das Groß. Relativ schwer, aber sehr haltbar und unempfindlich ggü. kleineren Beschädigungen. Die Regattabesprechung um 18.00 Uhr bringt ggü. den früheren Besprechungen in den zurückliegenden Jahren keine Neuigkeiten. Die Streckenführung ist unverändert und beinhaltet die gleichen Weg- und Zieltonnen wie immer. Sieht man mal davon ab, dass vom Regattaleiter aufgrund der Scharmützel auf den Startlinien im letzten Jahr darauf hingewiesen wurde, dass man bereit ist im Falle von Rammings und den daraus entstehenden Schäden gern Berichte fertige und diese, neben Videoaufzeichnungen den Versicherungen zur Verfügung stellen wolle. Ein Wink mit dem Zaunpfahl! Am nächsten Morgen beginnt der Start um 09.00 Uhr mit den kleineren und somit langsameren Eignerschiffen. Gefolgt mit 10 Minuten Abstand von der ersten Gruppe der Charterschiffe. So startet alle 10 Minuten eine neue Gruppe mit etwa 11 bzw. 12 Schiffen. Mit der letzten Gruppe, also eine Stunde nach dem ersten Start, geht auch die Tauranga bei diesem regnerischen Sonntag über die Startlinie. Schnell stellt sich heraus, dass wir bei dem NE-Wind und somit ständig hoch am Wind laufend, zu viel Tuch gesetzt haben, die Fock bzw. die Genua 3 wäre die bessere Wahl gewesen. Sollte aber der Wind wie angekündigt ab- nehmen, wäre die jetzige Konstellation schon richtig. Bis zur Wegetonne Staberhuk 0 haben wir definitiv zu viel Segelfläche, der Kurs ist kaum zu halten. Ständig straft uns die Yacht mit den obligatorischen Sonnenschüssen. Das ist kein gutes und auch kein schnelles Segeln! Ich drehe am Ruder wie verrückt um die Bewegungen des Schiffes auszugleichen. Ich bin nass bis auf die Unterhose, aber nicht vom Schwitzen, sondern vom Regen der einfach nicht aufhören will. Ich spüre, wie mir beim Drehen am Steuerrad das Wasser in den Ärmeln rauf und runter läuft. Als mich mal wieder eine Welle vom Luvrad nach Lee wirft, komme ich nur mit Mühe wieder zum oberen Steuerrad und - ich bekomme nach gut der Hälfte der zurückgelegten Strecke durch das Ziehen am Achterstag (Hahnepot) einen Muskelkrampf im linken Arm. Die Nässe, die Kälte und die ungewohnte und außergewöhnliche Belastung waren wohl zu viel. Ich versuche den Arm zu lockern und zu massieren, soweit das bei den Gegebenheiten überhaupt möglich ist. Um den linken Arm etwas zu entlasten, wird nun der rechte Arm mehr eingesetzt als zuvor. Nach einer weiteren halben Stunde habe ich auch im rechten Arm einen Krampf, -der im linken Arm ist aber kaum besser geworden. Ich muss für eine Weile den Autopiloten einschalten, anders geht es jetzt nicht mehr! Keiner von der Crew hätte mich bei diesen Ritt über die Wellen ablösen können. Die Tauranga mit ihrem sehr kurzen Kiel ist schnell aber nicht sehr kursstabil. Sie fordert eine sichere Hand am Ruder und bei dieser kurzen steilen Welle sehr viel Ruderarbeit. Der Wind lässt nicht nach, bringt aber eine beeindruckende Richtungsänderung wenige Meilen vor der Ziellinie. Dummerweise spielt diese Winddrehung den Yachten weiter nördlich in die Karten. Sie hatten sich reichlich weit von der Ideallinie entfernt und haben plötzlich einen riesen Vorteil! Wir müssen Wenden und nun auch nach Norden um dort mit einer weiteren Wende endlich die Ziellinie anlegen zu können. Als 22. Yacht von allen (nach berechneter Zeit) überqueren auch wir die Ziellinie. Eigentlich schade. Schade auch deshalb, weil wir mit dem alten Groß und nicht mit dem neuen unterwegs waren. Das neue hätte uns sicherlich viel weiter nach vorn gebracht. Innerhalb von zwei Stunden füllt sich der Yachthafen Gedser mit den 80 Yachten der Teilnehmer der Hessenregatta. Alle 387 Segler sind nass, vielleicht nicht ganz so extrem wie ich als Rudergänger und dem mit 6 Jahren jetzt doch in die Jahre gekommenem Ölzeug. Aber nass sind alle. Und so werden auf allen Yachten die Heizlüfter angeworfen um zu trocknen, was zu trocknen ist. Das geht genau eine Viertelstunde gut, als die elektrische Versorgung des Hafens kollabiert. Auf keinem Steg gibt es noch Strom, alles ist tot. Auch die Batterien können nun nicht mehr aufgeladen werden. Nur ein einziges Schiff hat ein Dieselgenerator an Bord, es ist die X-50, an der wir fest gemacht haben. Der verständigte Elektriker schaffte es am Abend den Strom noch einmal einzuschalten, aber nur für 15 Minuten, bis wieder alles zusammenbrach. So lagen also auch die Stege in dieser Nacht in völliger Dunkelheit. Die Teilnehmer der Hessenregatta haben dem Yachthafen einen Blackout beschert. Noch am Abend meldete sich der Segelmacher auf dem Mobiltelefon und teilte mit, dass er auf jeden Fall kommen würde und wir das Groß schon mal abschlagen sollen. Außerdem wollte er wissen wo wir denn liegen, damit er das Schiff auch findet (er, als Teilnehmer bei Deutschen Meisterschaften und auch bei Weltmeisterschaften kannte diesen Hafen nicht). Die Entscheidung fiel mir nicht schwer. Dass nasse Groß jetzt abschlagen und auf sein Kommen warten (vielleicht kommt er - vielleicht aber auch nicht)? - dass muss ich jetzt nicht haben. Das Groß blieb da wo es war. Außerdem kam der Wind von achtern, was ein Abschlagen und ein erneutes Setzen am nächsten Morgen nicht gerade vereinfachte. Um 02.00 Uhr in der Nacht werde ich wach, der Segelmacher war noch nicht da. Ich konnte nicht mehr einschlafen. Um 02.30 Uhr plötzlich komische Geräusche an Deck! Ich hatte mich bestimmt verhört! Aber nur fünf Minuten später deutliche Schritte an Deck. Ich schaue durch die Acrylscheiben des Niedergangs und kann eine Palette Cola im Cockpit erkennen. Wer liefert denn in der Nacht Coca-Cola in Büchsen an Bord? Dann wieder Schritte. Der Segelmacher steht im Cockpit und hat das neue Groß dabei. Trotz stockdunkler Nacht und nicht beleuchteten Stegen hatte er die Tauranga in dieser mondlosen Nacht gefunden und zunächst die Segel- latten auf Deck gelegt und anschließend die Palette mit Cola ins Cockpit gebracht. Bis um 23.00 Uhr am Abend hätten die Arbeiten noch gedauert.  Erst danach konnte er sich von einem Mitarbeiter per Fähre von Puttgarden nach Rödby und in der Folge auch nach Gedser bringen lassen. Obwohl er zu der Cola auch noch eine Flasche "Havana Club" dabei hatte, bevorzugte er nun doch erst mal ein gemeinsames Bier und eine Zigarette im Cockpit.  Anschließend ging es in die Koje neben mir im Vorschiff, die ich ihm freigehalten hatte. Nach nur einer Minute wurde das leichte Säuseln eines einschlafenden Mannes schnell durch ein strammes Schnarchen abgelöst. Auf einen Stoß in die Rippen folgte keine Reaktion. Als ich sah, dass er nicht auf dem Rücken, sondern auf der Seite lag, war erst mal Schluss mit lustig. Den Rest der Nacht testete er die Liegefläche im Salon, was ihm offenbar über- haupt nichts ausmachte. "Da schlafe ich eigentlich immer", war sein Kommentar am nächsten Morgen. Aha, -so ist das! Die nächste Wettfahrt geht nach Stubbekøbing im Grønsund. Eigentlich läuft es recht gut, wenn wir nur nicht wieder zu viel Segelfläche gesetzt hätten. Aber diesmal lässt der Wind etwas nach und wir kommen gut voran. Leider entscheidet sich die Regattaleitung an diesem wirklich schönen Segeltag für eine Bahnverkürzung. Nicht ganz nachzuvollziehen. Vermutlich rechnete man mit weiter abflauendem Wind und dem damit einhergehenden späten Ankommen in Stubbekøbing! (?) So war die Strecke für uns einfach nicht lang genug, um die anfängliche Langsamkeit durch aktuell schnelleres Segeln auszugleichen. Die zuerst gestarteten kleineren Schiffe waren heute jedenfalls klar im Vorteil, da sie bis zur verkürzten Bahnmarke einfach nicht mehr einzuholen waren. Na ja, zumindest hatte das die Regattaleitung auch festgestellt und später eingeräumt, dass die zuerst gestarteten kleiner Yachten an diesem Tag wohl doch einen Vorteil gehabt hatten. Im Ergebnis war es für uns ein echter Nachteil. Obwohl wir als 3. Schiff unserer Gruppe die Ziellinie passierten, reichte es nur für Platz 20 nach berechneter Zeit in der Gesamtwertung. Schade, dass das neue Großsegel noch nicht angeschlagen und die neue Genua noch nicht einmal an Bord war! Zum Ausgleich hatte ich mir vorgenommen, mich diesmal einmal mehr beim Freibier anzustellen, um die Crew und mich selbst mittels eines "Trägers" mit den frisch gezapften "Hopfenkaltschalen" zu versorgen. Auch diesmal hatte der Hafenmeister für glühende Grills gesorgt, damit die Seglerinnen und Segler ihre Steaks und Würstchen grillen konnten. Leider hatte er sich ein wenig verzählt und statt der üblichen 4 nur 3 Grills aufgestellt. So reihen sich also ca. 130  Segler/innen um einen dieser Grills,  um ihre Würstchen zubereiten zu können. Wer also nun sein Steak anhob und es nicht sofort wieder hinlegte, musste feststellen, dass der eben noch freie Platz auf dem Rost schon anderweitig belegt war. Das war dann wohl auch der Grund, warum die ein oder andere Crew den bordeigenen Grill hervorholte um doch noch das mitgebrachte Grillgut (stressfrei) fertig zu garen. Am nächsten Morgen geht es nach Warnemünde, die längste Strecke der HR liegt vor uns. Werden wir diesmal unter den Ersten auf der Ziellinie sein? Für den anstehenden Raumwindkurs wird schon vor dem Start alles vorbereitet um den Spi zu setzen. Der neue Spi, der eigentlich schon im letzten Jahr dabei sein sollte, kommt diesmal jungfräulich zum Einsatz. Ich rechne mir für diesen Tag einiges aus. Vielleicht kann man an diesem Tag die nicht berauschenden Ergebnisse der beiden Vortage im Gesamtergebnis etwas nach vorne bringen? Aber wieder kommt alles anders! Der Spi ist oben - aber wir kommen nicht voran. Die Schultern des Neuen fallen ständig ein. Wir können trimmen wie wir wollen, immer das gleiche Spiel. Der Spi steht nicht! Ich gebe mir die größte Mühe das Schiff 100%ig auf Kurs zu halten. Trotzdem immer das gleiche. Die Blase "klappt" immer wieder zusammen. Unser Profi an Bord, unser Segelmacher (er hat den Spi designt), fragt mich, ob ich eine Schere an Bord hätte und vielleicht auch Panzerband zum Kleben. Was hat er vor? "Lass uns den Spi runternehmen, ich werde ihn umbauen"! Wir sind nicht auf einem Wochenendtörn, sondern befinden uns mitten in einer Wettfahrt! Im Hinblick auf die dabei verlorene Zeit kommen mir Zweifel, ob das der richtige Weg ist. Denn ohne Spi steht dann nur noch das Großsegel. Kann man anschließend die verlorene Zeit der "Reparatur" durch den zu erwartenden besseren Stand und dem damit einhergehendem schnelleren Segeln wieder hereinholen?  "Wir können so weitermachen - oder verlieren höchstens 10 min, wenn er unten ist"! Nach einer weiteren Viertelstunde bin auch ich soweit. Es hat einfach keinen Zweck mit diesem Tuch, es muss etwas geschehen! Aber was genau hat er vor? Wir bergen den Spi und in Windeseile schneidet der Segelmacher mit der Schere die äußeren Bahnen kurz vor der Naht weg. Damit er nicht ausfranst und einreißt werden die Lieken mit dem Panzerband stabilisiert, indem das breite Band um die Lieken geklebt wird. Der Spi geht wieder hoch und - steht tatsächlich etwas besser. Einfallen tut er aber immer noch, wenn auch nicht mehr so häufig wie vorher. Naja, aus den anfangs veranschlagten (höchstens) 10 Minuten waren es unter dem Strich dann doch 45 Minuten geworden. 45 Minuten bei einer Regatta, das braucht kein Mensch! Das sind Welten, die uns da von den anderen Yachten unserer Gruppe und allen anderen auch, trennen. Das ist aber noch nicht alles! Der Wind nimmt zu und bringt offenbar etwas Reck in das nagelneue Tuch. Er steht zunehmend besser, bis . . , ja bis er uns komplett um die Ohren fliegt. Totalschaden! An diesem Tag können wir uns den Weg zum Regattabus sparen, das Ergebnis muss ich nicht wissen. Wie durch die Regattaleitung im Vorfeld angekündigt, gibt es aktuell in Warnemünde im Alten Strom Bauarbeiten an den Kais. Deshalb wurde darauf hingewiesen, dass die Teilnehmer der HR zum Yachthafen "Hohe Düne" ausweichen sollen. Trotzdem fahren wir in den Alten Strom und finden einen Liegeplatz auf der Westseite des Hafens. Die Bauarbeiten beschränken sich auf die Ostseite! Am nächsten Tag ist traditionsgemäß das Bergfest in Warnemünde mit Lifemusik, es wird also nicht gesegelt. Da unser Segelmacher kurzfristig nach Fehmarn muss, lässt er sich abholen. Da sich mein alter Spi nicht an Bord, sondern im Kofferraum meines Pkw in Burgtiefe befindet, gebe ich ihm meinen Autoschlüssel, damit er diesen bei seiner Rückkehr am nächsten Tag mitbringen kann.  Der ist zwar wirklich alt, aber besser als gar kein Spi (der Neue ist nicht mehr zu retten und kann auch nicht mehr repariert/genäht werden). Möglicherweise können/müssen wir den alten Spi bei den noch ausstehenden beiden Wettfahrten am Donnerstag oder Freitag noch einsetzen. Pünktlich vor dem Beginn der Veranstaltung am Mittwochabend ist er zurück und hat den alten Spi dabei. Auch Steffen aus Buxtehude, der hier noch verwandtschaftliche Bindungen hat, ist rechtzeitig zurück. Allerdings hat er sein Los für die Tombola vergessen. Kurz wird eine SMS an seine Frau geschickt und um die Mitteilung seiner Los- nummer gebeten. Mit einem "Küsschen" kommt die Losnummer per SMS gerade recht, um einen der Preise in Empfang zu nehmen. Eine toller Chronometer, kardanisch in einer Holzschatulle aufgehängt, ist jetzt sein! Glückwunsch. Neu an diesem Abend ist die aus der Region stammende "Summer Sun Band" (zum ersten Mal nicht die Band "Metronom-Musik" aus Südhessen). Von einem "echten Glücksgriff" sprach die Regattaleitung bzgl. der neuen Band. Und so war es auch! Hoffentlich sind Sie in 2014 wieder dabei. Am nächsten Tag geht es wie immer nach Grömitz. Wieder ist Spi-Segeln angesagt. Ein Großteil der Regattateil- nehmer fährt zunächst weiter raus auf die offene See. Die anderen, wie auch wir, entscheiden sich für die kürzere Strecke dichter unter Land. Was soll bei dem raumen Wind schon passieren. Nach etwa einer Stunde stellt Steffen mittels AIS-Abfrage auf dem Plotter fest, dass wir gut einen Knoten schneller sind, als die da draußen. Tatsächlich haben wir schon etliche vor uns gestartete Yachten auf gleichem Kurs ein- und überholt. Es scheint an diesem Tag gut für uns zu laufen,- trotz Uraltspi! Eine Yacht nach der anderen bleibt achteraus! Aber, auch an diesem Tag steckt der Teufel im Detail, oder besser gesagt im nachlassenden Wind. Eine nur 100 m vor uns liegende Yacht können wir nicht mehr einholen, obwohl sie deutlich kleiner ist als die Tauranga. Wir sind in einem Windloch gefangen und kommen nicht heraus. Alle Yachten weiter draußen ziehen wieder an uns vorbei. Es ist zum K. . . . . . .! Es dauert etwa eine Stunde bis wir uns vom Trollegrund (nördlich von Riedensee) lösen können und wieder mehr Wind haben. Wie schon bei der letzten Wettfahrt nach Warnemünde können wir auch dieses Ergebnis abhaken. Grömitz: Endlich haben wir eine Box mit Wind von vorn. Das alte Groß wird abgeschlagen, das neue (wiegt nur halb so viel wie das alte) wird endlich angeschlagen. Mann-o-mann, das sieht schon schon geil aus. Hoffentlich bringt es uns auch gut voran. So starten wir am letzten Tag der Regatta mit dem neuen Groß und der "alten Genua"! Wieder wird der Wind für diese Konstellation zu kräftig. Wir müssen um das stete Anluven zu verhindern, ständig die Großschot fieren und wieder dichtholen. Der Segelmacher bekommt "lange Arme" und muss sich nach einer Weile ablösen lassen. In Höhe "Schwarzer Grund" läßt der Wind entgegen den normalen Erfahrungen etwas nach. Alles stimmt jetzt. Hinzu kommt eine leichte Winddrehung, die endlich einmal gut für uns ist. Wir behalten den Kurs bei und zögern die erforderliche Wende mehr und mehr hinaus. Kommen dabei trotzdem immer weiter nördlich in Richtung Fehmarn. Tatsächlich ist es so, dass wir mit einer einzigen Wende die Ziellinie an der Ansteuerungstonne Fehmarnsund-Ost anlegen können. Wie sich später am Regattabus herausstellt, haben wir dem schnellsten Schiff aller teilnehmenden Yachten (der X-50 mit YS 78) nach gesegelter Zeit (nicht berechneter) 2 min abgenommen. Nach berechneter Zeit werden wir an diesem Tag 5. von allen. Da kommt Freude auf. Warum nicht gleich so? Ich denke, wir können voller Zuversicht der HR 2014 entgegensehen. Von Anfang an mit einem tollem Großsegel und einer noch nicht vorhandenen neuen G1 und einer neuen G3. Im Ergebnis der HR 2013 belegen wir totz widrigen Umstände in der Gesamtwertung noch den 25. Platz von 80. Eigentlich erstaunlich, dass wir doch noch im vorderen Drittel waren (lag wohl an einem Streicher). Zur Segelsituation ist im Nachhinein noch zu berichten, dass der Segelmacher seinen Geschäftsbetrieb mittlerweile aufgegeben hat und mir ggü. erklärte, dass er Pleite ist. Er also meine Anzahlung für die noch ausstehenden Segel nicht zurückzahlen kann! Er wäre jetzt in London erreichbar (Anschrift wurde mitgeteilt). Na prima! Das war also der Grund, warum er im April/Mai nur das Groß und nicht auch die Genua bestellt hatte! Von wegen, -ist nicht geliefert worden! Da hatte er meine Anzahlung längst anderweitig ausgegeben und jetzt kein Geld mehr, die Membrane zu bezahlen. Gleichzeitig empfiehlt er mir einen anderen Segelmacher, bei dem ich auch die Segel bestellen kann: 50 % Anzahlung sofort, den Rest  auf 100 % bis Dez. 2013. Lieferung im März 2014! Ha, ha!
das neue Großsegel