Bericht von der Hessenregatta 2012 „Jetzt geht’s mir wieder gut“, meinte Chris, als er „sein Plätzchen“ achtern in Lee verließ und sich wieder voller Tatendrang zu den Fallwinschen und –stoppern  an Back-. und Steuerbord neben dem Niedergang begab um die Anweisungen für Topnant und Niederholer sofort umzusetzen.   Nein, er war kein Bleichgesicht! Es war nur die dicke Schicht Sonnenschutz-Faktor-50, die die eigentliche Farbe seines Gesichtes an diesem wunderschönen Segeltag übertünchte und man absolut keine Chance hatte, irgendwelche Rückschlüsse auf seinen tatsächlichen „Ist-Zustand“ ziehen zu können. Ich gab ihm 5 Minuten!    Nach nur 2 Minuten fing er wieder an zu Husten und nach einer weiteren Minute begab er sich wortlos nach achtern, zu seinem Plätzchen in Lee! Nein, so richtig Gelb war die Spi-Schot  in diesem Bereich nicht mehr, genauso wenig wie die kugelgelagerte Umlenkrolle mal Schwarz war. Wie schon im Vorjahr waren wir wieder nur zu viert auf einer Yacht, die normalerweise bei Regatten mit 8 bis 10 Mann gesegelt wird. Mindestens 6 sollten es sein, dann braucht auch keiner im Salon zu schlafen.   Leider hatte Matthias, ein selbständiger Softwareschreiber, eineinhalb Wochen vor der Regatta aus beruflichen Gründen absagen müssen. Seine 135 kg bei 1,98 m LüA hätten wir gut auf der hohen Kante gebrauchen können. Auch Hasan, der schon viele Jahre mit mir segelt und mit Wohnsitz in Köln auch schon das Skippertraining der HVK auf der Contessa absolviert hatte, musste aus privaten Gründen absagen. Da war nur noch Steffen aus Buxtehude (der schon im letzten Jahr dabei war). Der in seiner Jugendzeit in der DDR in der Jolle alles gewonnen hatte was man nur gewinnen konnte. Ein weiterer Steffen aus HH war neu an Bord. Ein Mann, der 3 Monate lang auf einem „echten“ Regattaboot die Hong-Kong-Challenge mitgesegelt hat und eine echte Bereicherung für die Crew war. Für jede Position einsetzbar! Mit meiner Wenigkeit als Eigner der “Tauranga” (der einzigen SY mit diesem Namen weltweit), also gerade mal 4 Personen an Bord für 127 qm am Wind plus 162 qm Spi. Im letzten Jahr war keine schnellere Yacht für die Hessenregatta gemeldet. Trotzdem reichte es nach berechneter Zeit nur für Platz 17 im Gesamtergebnis! Aus diesem Grund waren für 2012 die Top Ten als Ziel anvisiert. Dabei sollte ein neuer Spi helfen, da der alte (bei eBay ersteigerte) im letzten Jahr beim Setzen aus den Lieken geflogen war und quasi einen Totalschaden erlitten hatte.  „Er ist rechtzeitig fertig“,  hatte mir der Segelmacher auf Fehmarn versichert und mir das schon eingetroffene und fertig geschnittene Polyant-Segeltuch mit 75 oz gezeigt. Das war 2 Wochen vor der Regatta. Am 18. Mai, also 2 Tage vor der Regatta, bin ich beim Segelmacher:      „Der Chef ist nicht da, der ist in Barcelona“, sagte mir der Mitarbeiter, der gerade mit dem Ausrollen                                  der ersten Bahnen für einen riesigen Spi beschäftigt ist.                                    „Ich wollte nur meinen neuen Tristar-Spi abholen“!                                         „Ja ich weiß, -wir haben gerade angefangen“!                                                     „Wie jetzt, -das ist meiner“?                                                                            „Ja!“ Leider waren wohl kurzfristig mehrere Mitarbeiter erkrankt und man hätte nicht früher anfangen können. Somit war ich heilfroh, dass ich den kaputten Spi vom letzten Jahr aus Kostengründen als „Winterarbeit“ bei einem anderen Segelmacher zur Reparatur gegeben hatte. Den wollte ich dann Anfang Mai 2012 abholen – nach 9 Monaten! Der Segelmacher mit den Rastalocken erinnert sich:                                       „Das ist doch der mit dem roten Segelsack“!?                                         „Ja, das ist der in einem roten Segelsack“.                 „Der ist leider noch nicht fertig“! „Geben Sie uns eine Woche, dann ist er fertig“! Tatsächlich. Eine Woche später konnte ich ihn abholen. Er war wirklich fertig! Nur mit dem Preis waren wir uns noch nicht einig, wg. der vermeintlichen Winterarbeit, die ja nun keine mehr war! „Nehmen Sie ihn erst mal mit, den Rest regeln wir schon noch.” Ich nahm ihn mit, - zum Glück! Einen vorhandenen neuen Gennaker mit 166 qm, den ich mit dem Schiff gekauft hatte, wollte ich bei der Regatta nicht benutzen, da er auf echt raumen Kursen und platt vor dem Laken nicht wirklich zu gebrauchen ist und eine zusätzliche Benutzung neben dem Spi wohl zulässig ist, aber mit Anmeldung bei der Regattaleitung mit einem weiteren Punktabzug bei der YS-Zahl bestraft worden wäre. Unangemeldet wäre die Tauranga als drittschnellstes Schiff von 80 gemeldeten Yachten in 2012 nach einem möglichem Protest sofort disqualifiziert worden! Am 20. Mai geht es als letzte Gruppe „G“ an den Start. Der Start, na ja – ging so. Irgendwie waren die anderen schneller weg. Allen voran eine nagelneue Xp-50 mit YS 78! Das ist die gleiche Yachtstickzahl, mit der nicht-olympische Tornados eingestuft werden!   Bei Ostwind ging es hoch an den Wind um die Ziellinie an der Untiefentonne „Schönheyderspulle“ (unweit von Gedser) zu erreichen. Eigentlich unsere Paradedisziplin, -hoch am Wind haben wir bisher alles hinter uns gelassen. Kurz hinter Fehmarn (Staberhuk) wurden bereits einige der schnellsten Charterschiffe eingeholt (diese waren 10 min vor uns gestartet). Wir beginnen die Aufholjagd. Eine Yacht nach der anderen bleibt achteraus. Der Kiel-Ostseeweg liegt vor uns.  Ich entschließe mich bei den konstanten 5 Bft. aus ENE einen langen Schlag nach Norden, da gerade keine Großschifffahrt in die Quere kommt. Wenn ich bis kurz vor den Windmühlenpark Rödsandrende fahre, könnte ich mit einem Schlag die Ziellinie erreichen und spare etliche Wenden. Leider ließ der Wind nach, was ja auch auf der Ostsee durchaus vorkommen kann. Bei 2/3 Bft. schleichen wir bei Gegenströmung mit 4 bis 5 kn über Grund zur Ziellinie. Irgendwie haben wir keinen richtigen Druck in den Antriebsmotoren aus Carbon, die sich Genua und Großsegel nennen! Erst als wir das Areal der Windmühlen hinter uns lassen, nimmt der Wind wieder zu und es geht mit Volldampf zur Ziellinie. Aber was ist das? Die Yachten, die wir kurz hinter Fehmarn schon hinter uns gelassen hatten, sind plötzlich vor uns! (?) Ich rede mir und der Crew ein, dass das wohl nicht unser Tag war. Ich gehe davon aus, dass diese Wettfahrt nach Gedser unser „Streicher“ wird, d.h. von insgesamt 5 angesetzten und durchgeführten Wettfahrten wird die schlechteste Wertung gestrichen. Erst in der Nacht, ich liege lange wach in der Koje, kommt mir die Erklärung für unser schlechtes Abschneiten. Der Windpark war schuld!     *) Nachtrag aus 2013 -siehe unten Während wir mit den nach-                                                                   lassenden Winden nicht richtig voran kamen, hatten die                                                                        anderen Yachten, die weiter draußen geblieben waren, nach                                                             wie vor ihre 5 Bft. und konnten gut voran kommen. Ich hätte                                                                 nie geglaubt, dass der Windmühlen- park einen solchen Einfluss                                                                    auf die vorhandene Windstärke haben könnte. Erst recht nicht wenn                                                                man bedenkt, dass diese 90 Wind- mühlen der e.on mehrere 100 m                                                            auseinander stehen.                                                                                                      Nun ja, es wird mir nicht                                                                       wieder passieren! Der Start am nächsten Tag war abenteuerlich. Wie auf Kanal 69 mitzuhören war, hatte es schon bei den ersten Gruppen Kollisionen auf der Startlinie gegeben. Dann kam die Gruppe „G“, unsere Gruppe! Ich hatte punktgenau eine gute Ausgangsposition einnehmen und eine neben mir liegende Yacht durch Anluven regelkonform wegdrücken können. Sie wäre nicht mehr über die Startlinie gekommen, -hätte kurz vor dem Startschiff eine Wende machen müssen um eine Kollision mit diesem zu vermeiden. Ich habe sie durchgelassen, wodurch die Tauranga in ihren Windschatten geriet und an Fahrt verlor. Gleichzeitig wurde es auf anderen Schiffen richtig laut! „Raum“ von der einen Seite, „Raum“ von der anderen Seite, das war kein Ausruf, das war Geschrei von mehreren Schiffen, bei denen es echt eng wurde. Da eine Wende, und noch eine! Ich fasse es nicht! Das sollen Fahrtensegler sein? Mitnichten! Auf der Startlinie ist die Hölle los. So etwas hatte auch die Regattaleitung auf dem Startschiff noch nicht gesehen und alles mitgefilmt. Irgendwie sind wir durch Zurückhaltung ohne Schaden da raus gekommen und konnten unsere Wendetonne „Trindelen“ hoch am Wind gut anlegen. Einige fielen weiter ab? Nur eine Yacht aus unserer Gruppe war uns noch direkt auf den Fersen und folgte genau unserem Kurs über Grund. Nach ca. einer Meile kam der Ruf von dieser Yacht: „Wo wollt ihr denn hin – fahrt weiter da runter“! (???) Ich fasse es nicht. Wir sind genau auf GPS-Kurs und werden aufgefordert, weiter abzufallen! Gehört so etwas zum modernen Regattasegeln, -sicherlich nicht! So wird halt alles versucht, die eigene Position zu stärken!!! Nach der Wende an der Tn. Trindelen können alle direkten Kurs anlegen, zur Ziellinie an der Ansteuerungs- tonne Grönsund! Immer noch reichlich Wind aus ENE! Ich hatte gehofft, dass wir nach der Wegetonne einen Schrick in die Schoten geben konnten. Deshalb war die Entscheidung vor dem Start für das Groß mit einem Reff und die Genua gefallen. Nach der Tonne konnte man dann das Reff herausnehmen und alle Vorausliegenden einholen, -ja sogar überholen. So die Überlegung! Andere Yachten fuhren mit gerefften Groß und Fock oder anderen Konstellationen. Nach einigen Meilen entfernten wir uns vom „Cap Gedser“. Der Wind ließ wie erwartet etwas nach. Das Reff im Groß wurde gelöst. Es folgte ein heißer Ritt durch die Wellen. Armer Chris! Leider nahm der Wind wieder etwas zu. Da das Vorliek der Genua von Anfang an sehr dicht geholt wurde und auch die Großfallspannung dem nicht nachstand, wurde nun noch mittels der beiden hydraulischen Achterstagspanner richtig Bumms auf das Achterstag gegeben. Der Mast bog sich, das Groß wurde flach und stand wie ein einziges Stück Blech! Es ging ab wie Schmitz-Katze! Dann die Ernüchterung! In einer Welle ein plötzlicher Schlag in der Takelage! Die Genua war etwa einen Meter heruntergekommen und flatterte im Wind. Irgendetwas war da oben gebrochen, aber was? Bei dem vorherrschenden Wind und vor allem bei der Welle wäre ein Nachsehen mit dem Bootsmannstuhl im Masttop lebensgefährlich gewesen. Also, Genua –soweit möglich- einrollen und die letzten 10 sm nur unter Groß bis zur Ziellinie fahren. Nur nicht aufgeben! Das ging auch ganz gut, wenn man mal davon absieht, dass bereits überholte Yachten eine halbe Stunde vor uns im Ziel waren. Auch dieser Tag wäre für uns ein willkommener „Streicher“ gewesen, der zweite mittlerweile, wenn es so etwas gegeben hätte! Auch im Hafen von Stubbeköping war zunächst wegen starkem Wind an ein Ausrollen der Genua und Bergen derselben nicht zu denken. Nicht einmal der Hafenmeister hatte die bereitgestellten Grills wg. dem Wind angezündet. Es wurde auf ein Nachlassen gewartet. Was bei 300 ltr. Freibier für niemanden ein wirkliches Problem darstellte. Bei nachlassendem Wind - später nach dem Grillen - konnte am Abend das Membransegel gefahrlos geborgen werden und Steffen II wurde mit der elektrischen Winsch im 2. Gang in wenigen Sekunden mit dem Bootsmannsstuhl in den Masttop gezogen. Konnten wir die Regatta fortsetzen oder war Schluss für uns? Ein Schäkel war gebrochen! An dem Schlitten der Rollfock mit dem Kugellager war kein Schaden entstanden. Er konnte mit einer angebrachten Sorgleine mitsamt dem Fockfall nach unten gezogen und genauer inspiziert werden. Gott sei Dank ein geringer Schaden! Auch wenn das obere, ehemals runde Auge im Kopf der Genua, mehr einem Osterei ähnelte. Der defekte Schnappschäkel wurde durch einen normalen Schraubschäkel ersetzt und alles war gut. Das Segel konnte wieder gesetzt werden. Die Wettfahrt am nächsten Tag nach Warnemünde konnte kommen. Glücklicherweise hatte die Regattaleitung die Startlinie so gewählt, dass es keine bevorzugte Seite gab. Außerdem war sie sogar viel länger als sonst! Wie später zu lesen war, brauchte man auf dem Startschiff nur noch den Anker zu lichten und mit dem 50ft. Charterschiff  „Famagusta“ hinterher zu fahren. Dabei musste man schnell feststellen, dass man kein einziges der eben gestarteten Schiffe der Gruppe „G“ einholen konnte. Die zu erwartenden Bedingungen auf dieser längsten Strecke waren vor dem Start nicht so ohne weiteres einzuschätzen. Wer mutig war, setzte gleich den Spi. Wer weniger mutig war, beließ es bei der Genua. Aber nach wenigen Meilen stand auch für uns fest, der Spi muss hoch, sonst hat man keine Chance. Nicht ganz so einfach mit nur 3 ½ Mann an Bord. Wobei einer nur mit dem Steuern beschäftigt war und der eigentlich Vierte nur sporadisch zur Verfügung stand. Wie dem auch sei, der „Totalschaden“ vom letzten Jahr war irgendwann oben - ohne aus den Lieken zu fliegen! Es ging auch eine ganze Weile gut, das Feld verteilte sich recht weitläufig in die Breite. Dann veränderten sich die Windverhältnisse. Der Verklicker zeigte in alle Richtungen und konnte sich nicht festlegen. Alle Yachten in der Nähe fuhren recht eigenwillige Kurse. Die einen nach Osten, die anderen nach Westen. Nach ca. 15 min war der Spuk vorbei, der Wind kam wieder aus ENE bis NE, legte aber wieder zu. Also Spi runter und die Genua wieder ausgerollt. So ging es weiter bis kurz vor das Trennungsgebiet, wobei die Tn. W69 als Wegetonne an Bb bleiben musste und außerdem die genaue Zeit per Funk an die Regattaleitung gemeldet werden musste. Genau in der Situation hatte ich mich entschlossen, auf Grund wieder nachlassender Winde wieder den Spi zu setzen. Kaum war er oben, legte der Wind wieder zu. Wir fingen an zu fliegen und überholten eine Yacht nach der anderen. Yachten, die eine  Stunde vor uns gestartet waren! Wenn nur dieser Frachter von Stb nicht gewesen wäre, der genau an dieser Stelle in das Trennungsgebiet der Kadetrinne einfahren wollte. Ich musste Abfallen um ihn „nicht zu versenken“ ;-) Am anderen Ende des Trennungsgebietes war Schluss mit lustig. Der Spi musste wieder runter! Die Genua wurde wieder ausgerollt. Der Kurs bis zur Ansteuerungstonne vom FW Warnemünde konnte angelegt und die Ziellinie am Lt. auf der Mole vom Hafen Warnemünde anvisiert werden. Die sekundengenaue Zeit wurde im Bio-Computer abgespeichert und die ein wenig voraus liegende Yacht (schnellste Yacht der Gruppe C –Eigner) zur Kenntnis genommen. Wie immer hat man wenig Platz vor dem Alten Strom von Warnemünde um die Segel zu bergen. Da muss man schon aufpassen, weil hier alle ihre Segel bergen und das FW von Rostok nicht befahren werden durfte. Auf der Suche nach einem geeigneten Liegeplatz fuhren wir mit geringer Fahrt in den Alten Strom ein. Also schnell die Gelegenheit nutzen und die Zielzeit an die Regattaleitung per Funk mitteilen. Mit dem Hörer in der Hand kam plötzlich eine bedenkliche Leere in meinen Kopf. Wie war noch unsere sekundengenaue Zielzeit vor ca. 20 Minuten? Die Bio-Festplatte in meinem Gehirn war gelöscht. Keiner vom Rest der Crew hatte sich die Durchfahrtzeit gemerkt. Was nun? Ach ja, die „Tsunami“ war ja nur wenige Sekunden vor uns, hatte sie ihre Zieldurchgangszeit schon durchgegeben? Nein, -hatte sie nicht! Nach ca 5 min meldete sie sich mit ihrer Startnummer 25 und gab ihre Zielzeit durch. Als eine der nächsten meldete sich die Tauranga mit der Startnummer 78 bei der Regattaleitung und gab, wie selbstverständlich, eine Zeit durch, die genau 4 Sekunden hinter der Startnummer 25 lag! Im Alten Strom war uns kein Liegeplatz gut genug. Wie liefen wieder aus um kurze Zeit später im Yachthafen Mittelmohle festzumachen. Das ist der Hafen, an den eine frühere Contessa der HVK schlechte Erinnerungen hat! Der neue Yachthafen „Hohe Düne“ ist zwar sehr modern und einladend,  hat aber den Nachteil, dass man immer eine der Barkassen nehmen muss um zum Regattabus und zum Schuppen des dortigen Segelvereins zu kommen. Aber genau da spielte die Musik! Genauer gesagt, die „Metronomes“ aus Südhessen, die schon seit vielen Jahren das Bergfest der Hessenregatta musikalisch begleitete und für Stimmung unter den 350 bis 400 Seglern sorgte. Bergfest heißt Freizeit, kein Segeln am Mittwoch dem 23. Mai! Jeder macht was er will und schaut ab und zu, ob die Ergebnisse schon am Regattabus aushängen. Erst am Donnerstag geht es weiter nach Grömitz. Fast hätte ich einen Frühstart verursacht. Noch mal Glück gehabt. Die vorgegebene Wegetonne „2“ des Lübeck-Ostsee-Weges war an Stb mit einem max. Abstand von 2 Schiffslängen (Yachtlängen, keine Tankerlängen) zu passieren. Gut dass ein früherer Mitsegler die Tonne als WP mit einem Kreuz auf dem Plotter gekennzeichnet hatte, da brauchte ich nicht lange nach der Tn. 2 zu suchen. So ging es wieder mit Groß und Genua genau auf die Tonne zu. Bei wenig Welle schalte ich den Autopilot ein und setze mich mit dem SmartController  (der Fernbedienung für den Autopilot) in der Hand zu den anderen auf die hohe Kante. Mit knapp 10 kn kommen wir gut voran. Andere, die den Spi setzten, können die Höhe nicht laufen und fallen mehr und mehr ab. Irgendwann waren wir ganz allein in Luv des gesamten Feldes! Das war schon komisch, das gibt es eigentlich nicht! Jedenfalls nicht bei 80 Yachten, die alle das gleiche Ziel haben. Ich gehe zum Plotter im Cockpit und überprüfe den Kurs. Verflucht, wer hat da die Tn 3 mit einem Kreuz markiert, da wollen wir doch gar nicht hin! (?) Wir müssen zur Tn 2! „Klar zum Spinnaker setzten“ kommt das Kommando und alle gehen auf Position. Ja was soll man sagen, es war ein schöner Törn bei schönem Wetter und einer neuer Geschwindigkeits- marke von 13 kn. Hat aber alles nicht geholfen, auch wenn wir noch viele viele Yachten hinter uns gelassen hatten. In unserer Gruppe gab es nichts mehr zu melden. Wir hätten einen weiteren „Streicher“ (den dritten) gebrauchen können. Aber ein schöner Törn war es trotzdem und Steffen II, der von mir auf Grund seiner Ähnlichkeit mit Robby Williams (der amerikanische Schauspieler) nur noch als „Robby“ benannt wurde, war begeistert vom weißen Wasser, welches die Tauranga im Kielwasser ließ. Weißes Wasser kannte er nur von der Regattayacht beim Hongkong Chellange! Er holte seinen Fotoapparat (kleines Equipment) und filmte damit sein weißes Wasser! Auf Grund der Kameraführung bemerkte man den Fotografen in ihm, genau deshalb war er mehrere Monate auf der 56 ft. Yacht “Norddeutsche Vermögen“! Ich bat ihn, das doch noch einmal mit meiner eigenen Kompaktkamera zu machen, was auch umgehend umgesetzt wurde. Das entstandene Filmchen „9-13 kn“ hat einen Link auf der HP der Tauranga go-hochseesegeln.de  bekommen! Grömitz - wie immer - sehr voll! Am Steg 7 Nr. 17 finden wir eine freie Box, vielleicht passen wir ja da rein? Die Festmacher, wie die Fender, liegen bereit. Ich fahre langsam zwischen die Heckpfähle. Es geht nicht mehr weiter. Nicht zum ersten Mal. Trotz schmalen 3,86 m BüA muss ich Gas geben um die Heckpfähle auseinander zu drücken. Es klappt. Die Tauranga ist aber vorn schon am Steg, obwohl das Heck noch fast 2 m hinten herausschaut. Ob wir am nächsten Morgen wieder herauskommen wird sich zeigen. Auf jeden Fall haben wir einen Liegeplatz im überfüllten Hafen! Etwas merkwürdig hat der Hafenmeister schon geguckt, als ich im die Länge und Breite und die Stegnummer 7/17 mitteilte. Es war ihm aber egal. „23,- Euro“ war das einzige, was er neben der Frage zum Toilettenschlüssel sagte. Als ich wieder an Bord bin kommen 2 Crewmitglieder der „Biene“ vorbei und fragen nach unserer Zielzeit an der Seebrücke. Die Biene war die Yacht, die wir als letzte kurz vor der Ziellinie an der Seebrücke Grömitz überholt hatten. Offenbar war ich nicht der einzige, der bzgl. der Zielzeit und dem anschließenden Segelbergen durchaus einen Blackout bekommen hatte! Der Rest ist schnell erzählt. Am folgenden Freitag war kein Wind und die Startlinie wurde zunächst bis zum „Schwarzen Grund“ verlegt. Alles motorte bis zur dortigen Untiefentonne um dann die  Nachricht der Regattaleitung über Kanal 69 entgegen zu nehmen, dass die letzte Wettfahrt der Regatta abgesagt ist. Es gab also keinen einzigen „Streicher“, der uns allein eh nicht viel gebracht hätte! Es hätten schon ein paar mehr sein müssen. Wir haben trotzdem gewonnen – an Erfahrung! Platz 43 von 80! Aus verständlichen Gründen wollte neben mir auch kein anderer der Crew bis zur Preisverleihung am Abend warten und lieber rechtzeitig die Heimreise antreten. Chris war der erste, der als 21jähriger Student aus Potsdam seine Siebensachen packte und den nächsten Bus als Zubringer für seine Bahnfahrt nutzte. So im Nachhinein betrachtet gab er mir ein Rätsel auf. Er als Student hatte mir in Warnemünde doch tatsächlich eine kleine Flasche schottischen Whisky geschenkt. Ein Whisky, von dem er angab, dass es der einzige wäre, der 3 Mal (oder war es 4 Mal ?) gebrannt worden wäre. Für sich hatte er eine 0,7er Flasche mitgebracht (für 60.00 Euronen)! *) Nachtrag aus 2013 > siehe   
Der gebrochene Schäkel kein Ring mehr - eher ein Osterei Blick von oben Der Yh Mittelmohle - Foto: Inge Cromm von der Jöke zurück h i e r h i e r