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Eine Anekdote am Rande: Die Segelyacht A verlässt unter Maschine (wie alle anderen auch) den Yachthafen Gedser um nach der Durchfahrt des engen Fahrwassers und dem Überqueren des Gedser Riff´s ihren Kurs nach Norden, in die warmen Gewässer* der schwedischen Schären fortzusetzen. Gleich nach dem Passieren der Untiefentonne im Kroghage Dyb bemerkt der Skipper eine andere SY, nennen wir sie Yacht „B“, die offenbar aus Unachtsamkeit des Steuermann aus dem Fahrwasser nach rechts abgekommen und auf den bei niedrigem Wasserstand trocken fallenden Rödsand aufgelaufen war. Die Crew einer weitere Yacht „C“  bot bereits ihre Hilfe an, indem sie eine Leinenverbindung zum Aufgelaufenen herstellte um ihn in tieferes Wasser zu ziehen.  Warum Yacht „C“ das aber unbedingt mit einer Leine von Heck zu Heck erledigen will und zudem die Trosse auch noch auf ihrer Bb-Klampe belegt, erschließt sich dem Skipper der SY „A“ nicht. Kann das gut gehen? Sicherlich kann man versuchen, eine aufgelaufene Yacht rückwärts vom Schiet zu ziehen, wenn da die belegte Leine auf der Bb-Klampe nicht wäre. So kam was kommen musste. Die Yacht „C“ zieht sich nun selbst aufgrund der auf der falschen Seite belegten Leine (allg. nennt das wohl Eindampfen) ebenfalls auf die Untiefe. Gerade noch rechtzeitig bemerkt der Skipper sein eigenes Problem und kann in letzter Sekunde die Trosse loswerfen und wieder tieferes Wasser erreichen. Für ihn war der Rettungsversuch erst einmal gescheitert, - er setzt seine Fahrt fort. Der Skipper der SY „A“, der das alles irgendwie geahnt und seine Fahrt auf nahezu 0 reduziert hatte, nähert sich nun vorsichtig rückwärts der aufgelaufenen Yacht und wirft mit ausreichenden Abstand eine Leine zu einem Crewmitglied der Yacht „B“, welches auf dem Vorschiff stand. Im Gegensatz zur Yacht „C“ also nicht mit dem Heck zum Heck, sondern zur Längsseite der ausgelaufenen Yacht. Mit der Aufforderung, die Leine am Großfall zu befestigen, kam Leben an Bord des Havaristen. Während der Skipper der Yacht „A“ sich bemüht sein Schiff auf Position zu halten, wurde die Leine mit dem Großfall verbunden und Zeichen gegeben, dass nun angezogen werden könne. Nach wenigen Metern war jedoch klar, dass es so nicht gehen konnte! Der Mann mit dem Großfall in der Hand war zum Vorschiff gegangen und hatte dort die Verbindung zur Leine der SY „A“ hergestellt. Dabei war er allerdings nicht außen, sondern nnerhalb der Wanten nach vorn gegangen, d.h. die vermeintliche Hilfe musste noch ein wenig warten. Mit dem Zurücksetzen der Yacht „A“ kam wieder Lose auf die Verbindungsleine und konnte nun erneut, diesmal außerhalb der Wanten, mit dem Großfall verbunden werden. Mit dem erneuten Anziehen fragt sich der Skipper/Steuermann der Yacht „A“, ob das Großfall des Havaristen aus Gummi ist, jedenfalls hatte er das Gefühl und fragt (ruft) hinüber, ob man das Großfall auch belegt habe? Wieder kam Leben in die Lethargie der Crew! Im allerletzten Moment konnte einer das gerade im Mastprofil verschwinden wollende Ende des Großfall packen und mit Hilfe eines weiteren  Crewmitgliedes festhalten. Warum das Fall nicht durch einen Achtknoten gesichert war und so durch den Stopper-Block rauschen konnte, wurde nicht weiter hinterfragt. Wieder musste Yacht „A“ zurücksetzen, bis das Großfall gesichert war. Nun aber kam Yacht „D“ ins Spiel, die ebenfalls den Yh. Gedser verlassen hatte. Angetan vom Pech des Aufgelaufenen hatte der Steuermann dieser Yacht offenbar den sogenannten Tunnelblick fokussiert und steuerte nun seine Yacht schnurgerade auf die vermeintliche Durchfahrt zwischen dem Havaristen und der quer zum Fahrwasser liegenden Yacht „A“! Ein gerade noch rechtzeitig erfolgter lautstarker Aufschrei ließ ihn erwachen und das Ruder hart nach Bb herumreißen! Glück gehabt! Man mag nicht daran denken, was passiert wäre wenn . . . ! Wenige Augenblicke später war die Yacht „B“ frei. Die Crew bedankte sich und (wie man anschließend beobachten konnte) fuhr zurück zum Gedser Yh. und nicht zum eigentlichen Tagesziel nach Kühlungsborn. Sie lief zurück zu dem Hafen, den sie ca eine halbe Stunde zuvor verlassen hatte. Vermutlich wollte man in Ruhe das ausgerauschte Großfall durch den Kanal unter Deck wieder einfädeln, damit das Fall wieder seinen Dienst verrichten und das Großsegel auch wieder gesetzt werden konnte. Zusatz: Warum auf die Schnelle das Groß- und nicht das Spi-Fall benutzt wurde, lässt sich leicht erklären. Ein Großfall haben alle, ein vorhandenes Fockfall ist in gebrauch und hält die Fock, die heutzutage fast immer eine Rollfock ist, in Position. Ein Spi-Fall haben meist nur Eigneryachten (wenn überhaupt), selten (sehr selten) aber Charteryachten! Außerdem soll die Hilfe möglichst schnell erfolgen. Wer will da auf Distanz erfragen (erbrüllen), welches Fall am geeigneten  erscheint. *) Im Hafen von Gilleleje berichtete mir Reinhold Riel, Eigner der bekannten „Sinfonie-Sylt“ (Grand Soleil 70), dass er kürzlich in den Schären Wassertemperaturen von über 30 Grad gemessen hatte.  
                                     Kurze Zeit später konnte ich mich von der Richtigkeit seine Aussage überzeugen; -siehe Bild!
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