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Die Phänomene der Dusseligkeit oder die Crux mit dem älter werden! Man man, was ist nur los? Kaum hat man die 70 überschritten, fühlt sich eigentlich noch fit, passieren Dinge, die in dieser Form zuvor noch nie passiert sind! Wie oft schon habe ich den Verklicker (Windex) am Masttopp angeschraubt, aber noch nie falsch herum. Nun ist es aber doch passiert. Gemerkt habe ich es erst, als der Mast stand und ich die fehlenden achterlichen „Paddel“ bemerkte. Die zeigen nun tatsächlich nach vorn. Ich hatte so etwas schon einmal gesehen, vor Jahren - auf einer anderen Yacht und habe nur noch den Kopf geschüttelt. Wie kann man nur . . . ? Aber das ist noch lange nicht alles! Der Mast steht auf der Tauranga auf dem Kiel und nicht auf Deck! Die Wantenspannung bei diesem 21,20 m langen Mast ist schon eine Sache für sich, zumal die Wanten weder aus Rod noch aus Drahtseil (1x19) bestehen. Aus Gewichtsgründen wurde seinerzeit eine Kunststofffaser eingesetzt, das nennt sich dann „PBO“ und ist mit den aufgedröselten Enden mit Epoxid in den Terminals eingegossen. So weit so gut. Aber wie stellt man die richtige Wantenspannung ein? Von einem Tuner für Yachten in Enkhuizen in Holland hatte ich mich einweisen lassen und eigentlich auch alles verstanden. Da das Boot (seit es in meinem Besitz ist) jedes Jahr in einer Halle auf Fehmarn überwintert, musste bisher dieses Prozedere auch immer wiederholt werden. Alles hat seit 2010 tadellos geklappt, aber eben nicht in diesem Jahr. Da die richtige Einstellung sehr aufwändig und erst mit etlichen Probeschlägen auf dem Ijsselmeer ermittelt werden konnte, hatte man mir geraten, den Abstand zwischen dem Sockel der Wantenspanner bis zur Unterkante der Terminals genau zu messen und diese gefundene und bewährte Einstellung für die Ober und Unterwanten immer wieder zu übernehmen! In 2020 war zunächst eigentlich alles wie immer, bis auf die Tatsache, dass ich das notierte Maß mit den Wantenspannern einfach nicht hinbekommen konnte. Es war mir nicht möglich den richtigen Abstand, der sich logischerweise immer schwerer drehende Spanner, hinzubekommen. Ich schaffte es trotz aller Kraftanstrengung einfach nicht! Ich zweifelte an meiner Muskelkraft , bin ich wirklich so schwach geworden? Ich gehe unter Deck um zu sehen, ob sich vielleicht das Kabel der Mastinstrumente / Beleuchtung oder ein Tampen, welchen ich als Pilotleine zum Einfädeln der Kabel in das Kabelrohr benötige, unter den Mastfuß gemogelt hat? Oder könnte es vielleicht sein, dass das Gewinde in diesem Jahr einfach schwerer geht? Um das auszuschließen, werden die Spanner noch einmal zurückgedreht, entfernt und das Gewinde mit einem extra für diesen Zweck entwickelten sehr zähflüssigen „Rigging Screw Oil“ von Seldén eingestrichen. Die Spannerhülsen der Oberwanten wurden wieder aufgesetzt und erneut angezogen. Aber, - zu früh gefreut! Obwohl ich den Winter über im eigenen Fitness-Keller weniger das Rad und das Laufband benutzte, dafür umso mehr das Bankdrücken und die Hanteln bevorzuge, bin mit meiner Kraft am Ende und kann nicht mehr! Es fehlen mir mind. 40 mm auf jeder Seite! Ich weiß nicht mehr weiter! Gehe noch einmal nach unten um zum wiederholten Mal alles zu überprüfen. Erst jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen, dass sich unter dem Mastfuß die beiden Unterlegplatten befinden, die mit 2 Schrauben gesichert sind. Ich bin froh, endlich den Grund gefunden zu haben. Denn diese beiden Platten lege ich jedes Jahr dahin, weil sie ja auch dorthin gehören. Sie sollen (neben den Schrauben) halt nicht abhandenkommen. Zum ersten Mal in all den Jahren habe ich die Platten nicht vor dem Mastsetzen entfernt! Da kann ich natürlich die Wantenspanner mit aller Macht anziehen, ohne die gewünschten Maße zu erreichen. Endlich kehrt wieder die langjährige Routine ein. Der schwere runde Bolzen mit seinem ordentlichen Durchmesser und den abgeflachten Enden wird in das Aufnahmeloch quer durch den Mast geschoben und gleichmäßig ausgerichtet. Dann werden auf beiden Seiten die hydraulischen (ich nenne sie mal „Wagenheber“) unter den Bolzen angesetzt und mittels Hochdruckschlauch über ein Druckmanometer mit der Pumpe verbunden. Ich gebe Druck auf den sogenannten „Mast-Jack“! Die Wagenheber drücken nach oben und kommen unter den abgeflachten Enden in Kontakt mit dem zuvor eingeführten Bolzen. Ich hebe also den kompletten Mast mit den beiden 5 Tn. „Wagenhebern“ an und entferne die Unterlegplatten und lasse den Mast anschließend durch Öffnen des Ventils an der Pumpe bis auf den Kiel herunter. Anschließend geht es wieder nach oben um die Wantenspanner mit einiger Kraftanstrengung auf das richtige Maß einzustellen. Es funktioniert! Die erforderlichen Maße für Ober- und Unterwanten sind wieder vorhanden. Danach geht es wieder nach unten um erneut Druck mit der Pumpe aufzubauen. Bei 360 bar ist es dann soweit, ich kann nach der ersten (30 mm) auch die 2. Platte (20 mm) unter den Mastfuß schieben und den Mast auf diese wieder herablassen. Die Wanten sind gespannt und bekommen auch bei Lage (120 m2 Segelfläche am Wind) keine Lose auf der Leeseite. Anmerkung: Einen solchen Druck aufzubauen und den Mast tatsächlich insgesamt 50 mm anzuheben, obwohl die Spanner schon zuvor gespannt sind, das geht nur mit einem Carbon-Mast! Ich denke, dass mir dieser Fauxpas nicht noch einmal passieren wird, da ich beim nächsten Mal explizit darauf achten werde. Auch auf den Windex! So ist das Leben!